S&P-Chefökonom sieht US-Notenbank unter Druck

Die US-Notenbank Fed schiebt die erste Leitzinserhöhung in diesem Jahr weiter auf die lange Bank. Für Jean-Michel Six, den Chefökonomen der Ratingagentur S&P Global, hat sie damit den Druck auf sich selbst erhöht.
22.09.2016 15:10
Der Hauptsitz von Standard & Poor's in New York.
Der Hauptsitz von Standard & Poor's in New York.
Bild: Bloomberg

"Wegen den Präsidentschaftswahlen wird die Fed die Zinsen nicht vor Dezember erhöhen", sagt Jean-Michel Six auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Zeit dränge jedoch. Denn voraussichtlich werde sich die US-Wirtschaft Ende 2017 oder Anfang 2018 wieder abkühlen. Wenn die Fed zur Zinsnormalität zurückkehren wolle, dann müsse sie vor diesem Zeitpunkt handeln, sagt Six.

Nach dem Entscheid der Fed am Mittwoch hat der Dollar leicht nachgegeben. Für die europäische Wirtschaft sei das ein schlechtes Zeichen. "Die Europäer haben alles Interesse daran, dass sich der Dollar aufwertet", sagt Six.

Kauft EZB bald Aktien?

Er geht dabei davon aus, dass die europäische Zentralbank (EZB) frühestens Ende Jahr Änderungen an ihrer Geldpolitik vornimmt. Denkbar sei, dass die EZB dann die Negativzinsen verschärft oder sogar dazu übergeht, Aktien zu kaufen. "Die EZB würde damit Neuland betreten", sagt Six.

Eine Gefahr für die EZB sei dabei vor allem das schwache Weltwirtschaftswachstum. "Asien und die Schwellenländer, die zuvor die Konjunktur stützten, müssen zurzeit mit einem Einbruch der Rohmaterialpreise zurechtkommen, was ihre Exportchancen schmälert", sagt er.

Zudem wandle sich die chinesische Wirtschaft zurzeit von einer Investitions- in eine Konsumwirtschaft, was ebenfalls den Welthandel bremse. Eine weiterer Grund für das schwache globale Wirtschaftswachstum sei jedoch auch die Geldpolitik. "Die Notenbanken haben zwar Milliarden in die Kapitalmärkte gepumpt, damit jedoch fast nur erreicht, dass die Staatsschulden hoch blieben", sagt Six.

(AWP)