Spanische Behörde soll Genehmigung von Atlantia-Gebot für Abertis widerrufen

(Meldung durchgehend mit Hintergrund ausgebaut) - Die spanische Regierung hat die heimische Marktaufsicht gebeten, die Genehmigung der milliardenschweren Kaufofferte der italienischen Atlantia-Gruppe für den Mautstrassen-Betreiber Abertis zu widerrufen.
08.12.2017 11:36

Das Infrastrukturministerium teilte der Behörde am Donnerstag mit, sie hätte die Erlaubnis für das Gebot im Oktober nicht erteilen dürfen. Atlantia habe sich nämlich vorher nicht die Bewilligung der spanischen Regierung zur Übernahme der Kontrolle von Abertis' Satellitengeschäft Hispasat eingeholt.

Die Regierung in Madrid sieht Hispasat als strategisch wichtig für das Land an, schliesslich kontrolliert das Unternehmen die spanischen Kommunikationssatelliten. Abertis ist mit rund 57 Prozent an Hispasat beteiligt, die Regierung mit mehr als neun Prozent über öffentliche Unternehmen.

Hispasat gehört allerdings nicht zum Kerngeschäft der Abertis-Gruppe, die Mautstrassen mit einer Länge von mehr als 8600 Kilometern weltweit verwaltet. Atlantia hatte bereits angekündigt, sich von der Satelliten-Tochter zu trennen, wenn die spanische Regierung dies verlangen sollte.

Die Börsenaufsicht CNMV hat einen Monat Zeit, um auf die Bitte der Regierung zu reagieren. Atlantia teilte mit, sich stets an die spanische Gesetzgebung und die Anforderungen der CNMV gehalten zu haben. Das Unternehmen sei jederzeit zu weiteren Gesprächen mit der Regierung in Madrid bereit. Atlantia wolle mit Abertis den weltgrössten Mautstrassen-Betreiber schmieden und die Abertis-Zentrale in Spanien belassen.

Auch der deutsche Baukonzern Hochtief ist an Abertis interessiert und ist in den milliardenschweren Übernahme-Poker um den spanischen Mautstrassen-Betreiber eingestiegen. Die Finanzaufsicht CNMV prüft diese Offerte noch, mit einer Entscheidung wird Anfang 2018 gerechnet.

Hochtief hatte im Oktober eine rund 17,1 Milliarden Euro schwere Offerte aus Barmitteln und Aktien für Abertis vorgelegt. Das bisherige Angebot des von der Benetton-Familie kontrollierten Atlantia-Konzerns hat auf vergleichbarer Basis einen Wert von rund 15,7 Milliarden Euro.

Beide Konzerne sind Insidern zufolge bereit, ihre Offerten - wenn nötig - noch einmal in die Höhe zu schrauben. Hinter Hochtief steht die spanische Konzernmutter ACS, deren Chef der Präsident des Fussballclubs Real Madrid, Florentino Perez, ist. Er gilt als bestens verdrahtet in der spanischen Politik.

(AWP)