Spanischer Finanzmarkt reagiert mit Erleichterung auf Wahlergebnis

(Ausführliche Fassung)
27.06.2016 10:25

FRANKFURT/MADRID (awp international) - Die spanischen Finanzmärkte haben am Montag mit Erleichterung auf das Wahlergebnis vom Wochenende reagiert. Die Gewinne für die bürgerliche Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy und das eher enttäuschende Abschneiden der linken Partei Podemos sorgten für Zuversicht. Die Risikoaufschläge für spanische Anleihen gingen zurück, die Aktienkurse legten zu. Die Unsicherheit dürfte jedoch anhalten, da eine Regierungsbildung noch nicht in Sicht ist.

Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen fiel um 8,5 Basispunkte auf 1,53 Prozent. In Madrid legte der Leitindex IBEX-35 um 2,65 Prozent auf etwa 8000 Punkte zu. Allerdings handelte es sich dabei auch um eine Gegenbewegung nach den Kursverlusten am Freitag. Nach der Entscheidung der Briten für einen Brexit waren die Aktien um rund 12 Prozent eingestürzt. Allerdings sind sowohl die Aktien- als auch die Anleihekurse am Montag in Spanien stärker gestiegen als in allen anderen Ländern der Eurozone

SCHWIERIGE AUSGANGSPOSITION BLEIBT

Die Spanier haben am Sonntag zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten ein neues Parlament gewählt. An der schwierigen Ausgangsposition für eine Regierungsbildung hat sich nichts geändert. Die bisher schon stärkste Volkspartei PP hat einige Stimmen hinzugewonnen. Eine Koalition mit den schwächelnden liberalen Ciudadanos ist aber weiter nicht möglich. Andererseits wäre eine linke Regierung aus den Sozialisten (PSOE) und Podemos nur durch die Unterstützung von Regionalparteien möglich.

Die Experten der Commerzbank sehen in einer Koalition von PP und PSOE das wahrscheinlichste Szenario. "Ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel wie in Portugal bliebe bei dieser Kombination mit grosser Wahrscheinlichkeit aus", kommentierte Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank. Die PSOE dürfte dann versuchen, einige soziale Härten zu entschärfen. Angesichts der von der PP versprochenen Steuersenkungen sei ein merklicher Rückgang des Budgetdefizits unwahrscheinlich. "Trotzdem wäre eine solche Kooperation von Volkspartei und Sozialisten aus Sicht der Investoren wohl die bessere Lösung."

VORMARSCH DER POPULISTEN GESTOPPT

"Die politische Unsicherheit in Spanien setzt sich fort", kommentierte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Die Tatsache, dass die linksgerichtete Podemos noch weiter von einer Regierungsbildung entfernt sei als zuvor, sei jedoch ein positiver Effekt aus den Wahlen. "Die Hauptbotschaft der Wahl für Europa ist jedoch, dass der Vormarsch der Populisten sich nicht fortgesetzt hat", sagte Schmieding. Insgesamt habe Spanien eine positive Haltung zur EU und wolle eine Konfrontation mit Brüssel vermeiden./jsl/bgf/fbr

(AWP)