Spitalverband H+ kritisiert TARMED-Eingriff des Bundesrats

Fehlanreize, bürokratische Verfahren, Einbussen bei der Behandlungsqualität: Die Spitäler gehen mit dem vom Bundesrat geplanten Eingriff in die Tarifstruktur TARMED hart ins Gericht. Der Verband H+ hat am Montag stattdessen eigene Vorschläge eingebracht.
22.05.2017 11:28

Hauptgrund für die Ablehnung des staatlichen Eingriffs ist laut dem Spitalverband das sich abzeichnende grössere Defizit im ambulanten Bereich der Spitäler und Kliniken. Dieses werde sich von derzeit rund 600 Mio auf etwa 900 Mio CHF pro Jahr erhöhen. Rund 40% der ambulanten Leistungen werden in Spitälern und Kliniken erbracht.

Kritisch sei der vorgesehene Eingriff besonders in der Notfall-, Alters- und Kindermedizin sowie in der Psychiatrie, da die Ärzte aufgrund der vorgesehenen zeitlichen Limitationen weniger Zeit aufwenden könnten. H+ befürchtet deshalb auch Einbussen bei der Behandlungsqualität, wie der Verband in einer Mitteilung schreibt.

Zudem raube der Tarifeingriff des Bundes den Tarifpartnern jegliches Interesse, partnerschaftliche Lösungen für einen neuen ambulanten Tarif zu finden, lässt sich Präsidentin Isabelle Moret zitieren. H+ werde auch weiterhin alles daran setzen, eine sachgerechte und kostendeckende ambulante Tarifstruktur zusammen mit den Tarifpartnern zu erarbeiten. Ein solcher war kürzlich gescheitert.

PAUSCHALEN AN DEN SCHNITTSTELLEN

Nach Meinung der Spitäler sollen für Leistungen an der Schnittstelle zwischen stationärem und ambulantem Bereich spitalambulante Pauschalen eingeführt werden. Solche steigerten die Effizienz und die Behandlungsqualität. Damit würde der Trend der Verschiebung von stationären Leistungen in den ambulanten Sektor unterstützt.

Laut H+ könnten die Pauschalen in verschiedenen Bereichen greifen. "In der Schweiz könnten mehr Eingriffe ambulant statt stationär durchgeführt werden, wie beispielsweise das Entfernen von Krampfadern oder die Operation eines Leistenbruchs", wird Werner Kübler, Vizepräsident des Spitalverbands, zitiert. Im internationalen Vergleich hinke die Schweiz hinterher.

(AWP)