Staatlich finanzierte Plattform als Rettungsszenario für die Medien

Eine Möglichkeit, um den Qualitätsjournalismus zu fördern, könnte eine Online-Plattform sein, auf der möglichst viele verschiedene publizistische Inhalte angeboten werden. Finanziert werden könnte das digitale Forum mittels öffentlicher Mittel aus einer Haushaltabgabe.
08.07.2017 16:44

Otfried Jarren, Präsident der vom Bundesrat eingesetzten Eidgenössischen Medienkommission (EMEK), hält dieses Szenario für vielversprechend, wie in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" vom Samstag zum Ausdruck kommt.

Journalismus sei teuer, aber in der Gesellschaft existiere kein Preis-Leistungs-Verhältnis dafür, sagte Jarren. Denn bisher seien journalistische Leistungen nicht direkt bezahlt worden, sondern indirekt, via Inserate. Doch dieses Geschäftsmodell ist seit dem Aufkommen des Internets und von Social Media im freien Fall.

Hier könnte eine staatlich geförderte Service-Plattform für journalistische Inhalte Abhilfe schaffen. "Eine Plattform wie 'Medien Schweiz' würde die Sichtbarkeit der Anbieter, die Auffindbarkeit von Produkten wie die Reichweite für alle erhöhen", sagte Jarren gegenüber der "NZZ".

Die Leserinnen und Leser könnten dort wie gewohnt einzelne Angebote als Gesamtpaket abonnieren und nutzen. Aber sie könnten zudem auch Angebote anderer Anbieter selektiv beziehen. Der Plattform könnten sich zudem auch Blogger und Bloggerinnen anschliessen. Ihr käme die Rolle eines "neutralen Dienstleisters" zu, in Form einer Genossenschaft oder Stiftung.

Öffentliche Mittel

Zur Finanzierung müssten einerseits Anbieter und Nutzer einen Beitrag leisten. Zudem könnte die Plattform über öffentliche Mittel aus der Haushaltabgabe finanziert werden. "Die Mittelvergabe muss an einen Leistungsauftrag gebunden sein", hält der Präsident der EMEK fest. Mittel aus der Haushaltabgabe sollten jene Anbieter erhalten können, die demokratie- und gesellschaftsrelevante Inhalte bereitstellen.

Jarren kann sich auch vorstellen, dass die Haushalte über einen Teil ihrer Haushaltabgabe, die sie entrichten müssen, selbst verfügen: Mittels eines Gutscheins könnten sie an die von ihnen präferierten Anbieter zahlen. Auf diesem Weg könnten die Leser und Leserinnen spezielle Leistungen belohnen und Anbieter stimulieren. "Das wäre einen Versuch wert."

Für die Idee einer solchen Plattform hatte sich zuvor auch der Mitbegründer und ehemalige Chefredaktor des Newportals "Watson" Hansi Voigt ausgesprochen.

(AWP)