Staatsfinanzen - Fast alle Gläubiger stimmen Schuldenschnitt für Argentinien zu

Fast alle privaten Gläubiger haben dem über Monate ausgehandelten Schuldenschnitt für Argentinien zugestimmt.
01.09.2020 06:11
Die Casa Rosada, Argentiniens Präsidentenpalast im Zentrum von Buenos Aires.
Die Casa Rosada, Argentiniens Präsidentenpalast im Zentrum von Buenos Aires.
Bild: Pixabay

Die Eigentümer von 93,5 Prozent der nach ausländischem Recht ausgegebenen Bonds hätten das letzte Umschuldungsangebot der Regierung angenommen, sagte Wirtschaftsminister Martín Guzmán am Montag. Über bestimmte Vertragsklauseln werden nun rund 99 Prozent der alten Titel in neue Papiere umgewandelt. Am kommenden Freitag sollen die neuen Anleihen ausgegeben werden. Zu den Gläubigern gehören vor allem grosse Investmentfonds wie Blackrock, Ashmore und Fidelity.

Die Schulden der zweitgrössten Volkswirtschaft in Südamerika galten zu den aktuellen Bedingungen als nicht mehr tragfähig. Deshalb hatte Argentinien von seinen privaten Gläubigern gefordert, auf einen Teil ihrer Forderungen von rund 66 Milliarden US-Dollar (rund 55 Mrd Euro) zu verzichten. Ende Mai hatte Argentinien Zinsforderungen in Höhe von 503 Millionen US-Dollar nicht beglichen und war dadurch in einen begrenzten Zahlungsausfall gerutscht.

Argentinien steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate betrug zuletzt mehr als 50 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um rund zehn Prozent. Das Land leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer grossen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht.

(AWP)