Staatsfonds verschärft Ethikkontrolle

Menschenrechtsverstösse, Korruption, Waffenhandel, Umweltverschmutzung - dagegen soll Norwegens Staatsfonds bei seinen Anlageentscheidungen stärker Position beziehen.
12.03.2016 08:22
Norwegens Hauptstadt Oslo, Heimat der norwegischen Staatsfonds.
Norwegens Hauptstadt Oslo, Heimat der norwegischen Staatsfonds.
Bild: pixabay.com

Er dürfte künftig daher mehr Firmen aus dem Portfolio werfen, die sich in diesen Bereichen etwas zuschulden kommen lassen. Das signalisierte der Vorsitzende des Ethik-Ausschusses des weltgrößten Staatsfonds, Johan H. Andresen, im Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

"Wir haben vergangene Woche den Ausschluss eines Unternehmens empfohlen, und es gibt weitere, mit denen wir uns gerade beschäftigen", sagte Andresen. "Einige dieser Unternehmen sind ziemlich groß." Im Visier hat der Ausschuss derzeit etwa den von einem Korruptionsskandal erschütterten brasilianischen Ölriesen Petrobras. Bislang wurden 66 Firmen aus ethischen Gründen ausgeschlossen.

Der Fonds, der Norwegens immense Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung anlegt, ist ein Gigant in der Finanzwelt. Er verwaltet Vermögenswerte von mehr als 830 Milliarden Dollar. Ihm gehören weltweit 1,3 Prozent aller Aktien von börsennotierten Gesellschaften. Ende 2015 hielt er Anteile von mehr als 9000 Unternehmen.

Beraten wird er von einem unabhängigen Ethikausschuss. Dieser gibt Empfehlungen ab zu Firmen, die gegen die Standards des Fonds verstoßen. Auf Basis dieser Einschätzungen weist die norwegische Zentralbank das Fondsmanagement dann an, in bestimmte Firmen nicht mehr zu investieren. Sie kann Unternehmen auch unter Beobachtung setzen mit dem Ziel, dass diese Abhilfe schaffen. Diesen Status hat aktuell etwa Petrobras.

Korruption ein grosses Thema

Ein großes Thema für den Ethikausschuss ist Korruption. 14 Verdachtsfälle werden untersucht. Besonders häufig seien Firmen aus der Telekom-, Energie- und Verteidigungsindustrie betroffen, sagte Andresen. Dies liege insbesondere daran, dass dort aus Sicherheitsgründen Verträge besondere Verschwiegenheitsklauseln enthielten. "Es hat uns vor allem überrascht, was wir in der Waffenindustrie gefunden haben. Es scheint, als ob die Abwesenheit von Korruption eher Ausnahme als Normalfall ist", erläuterte der Ausschussvorsitzende.

Ferner prüfe das Gremium Vorwürfe wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen auf Baustellen in Katar, wo 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden soll. Auch die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in Indien und Bangladesch sowie bei Elektronikherstellern in Malaysia würden unter die Lupe genommen. Außerdem gehe es um Umweltverschmutzung durch Chemieunternehmen und Investitionen in die klimaschädliche Industrien, führte Andresen aus. In diesem Zusammenhang könnte sich der Staatsfonds etwa von seinen Beteiligungen an Kohleproduzenten wie RWE trennen.

Beteiligungen an Unternehmen, die Atomwaffen oder Landminen herstellen, sind dem Fonds von Gesetz wegen verboten. Auch Firmen, die an der Entwicklung sogenannter Killerroboter - also Waffen, die ohne menschliche Lenkung auf Ziele feuern - arbeiten, sollen geächtet werden, wie Andresen ankündigte. 

(Reuters)