Staatsobligationen USA - Misstrauen gegenüber US-Anleihen so hoch wie zuletzt 2009

Ein Punkt mehr auf der Sorgenliste des höchstverschuldeten Landes der Welt: Das nachlassende Interesse an des Auktionen von Staatsobligationen.
17.03.2018 19:12
Die USA geben derzeit auffallend viele Staatsanleihen heraus.
Die USA geben derzeit auffallend viele Staatsanleihen heraus.
Bild: Bloomberg

Zwar werden die USA nicht in die Lage kommen, ihren Finanzierungsbedarf am Kapitalmarkt nicht mehr decken zu können. Doch gemessen an den Geboten der Investoren und dem platzierten Volumen ist die durchschnittliche Nachfrage für zehnjährige US-Staatsanleihen so niedrig wie seit Oktober 2009 nicht mehr.

Derzeit gibt es für die Anleihehändler kaum Hinweise, die darauf hindeuten, dass schwache Auktionen zu Kursverlusten bei Treasuries führen. Aber es ist ein frühes Zeichen, dass einige Investoren davon Abstand nehmen, die Verbindlichkeiten der USA zu finanzieren. Das US-Haushaltsdefizit schwillt an und die Federal Reserve erhöht die Zinsen. Das ist eine potentiell toxische Mischung, die in den kommenden Monaten die Nachfrage noch weiter untergraben könnte.

"Leider gibt es kein gutes Drehbuch", sagt Thomas Simons, Geldmarkt-Ökonom bei Jefferies. "Das Treasury-Angebot verschärft das, was eine natürliche Abkehr vom Markt sein sollte", da die Zinsen steigen.

Der Finanzierungsbedarf der Regierung wächst bereits. Als Folge der Steuersenkungen der Trump-Regierung wird sich das Defizit ausweiten und im kommenden Haushaltsjahr fast eine Billion Dollar erreichen. Der Fehlbetrag kommt zu den Schulden von fast 21 Billionen Dollar, die die USA bereits haben, noch hinzu. Das ist mehr als jedes andere Land der Welt an Schulden hat. Rund 70 Prozent davon sind Treasuries.

USA gibt viele langfristige Anleihen aus

Ohne kurzfristige Papiere beschafft sich die US-Regierung in dieser Woche Gelder in Höhe von 62 Milliarden Dollar über Auktionen. Angeboten werden US-Staatspapiere mit Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren. Das sind rund 6 Milliarden Dollar mehr als bei Auktionen mit denselben Laufzeiten im Januar. Die erste Reihe von umfangreicheren Angeboten im vergangenen Monat sei nach den meisten Kriterien "deutlich schlechter" ausgefallen, sagt Simons.

Wirtschaftswissenschaftler haben den Wert von Trumps schuldenfinanzierten Steuersenkungen so weit in den Wirtschaftszyklus nach der Krise hinein in Frage gestellt - teilweise, weil der Anreiz eine Abkehr von der herrschenden Theorie und der Norm in den letzten Jahrzehnten darstellt. Die Fremdmittelbeschaffung hat tendenziell abgenommen, wenn die Federal Reserve die Zinsen erhöht, und umgekehrt.

Und mit Fed-Prognosen von drei Zinserhöhungen in diesem Jahr, ist für 2018 das Gegenteil zu erwarten.

In den vergangenen zwei Jahren ist das durchschnittliche Bid-to-Cover-Verhältnis für zehnjährige Treasuries-Auktionen auf 2,46 gesunken - die niedrigste Überzeichnung seit der Finanzkrise. Noch 2013 lag der Zwei-Jahres-Durchschnitt bei über drei.

Markt muss sich an steigende Volumina anpassen

Die derzeitige Überzeichnungsquote ist noch weit davon entfernt, unter eins zu fallen, was bedeuten würde, dass eine Auktion gescheitert ist. Seit mindestens 1983 gab es keine geringere Quote als 1,22 - eine Niedrigmarke, die im Oktober 2008 und im Mai 2003 gesetzt wurde. Zwar erwartet niemand, dass dieses Niveau in absehbarer Zeit getestet wird, doch hat der jüngste Rückgang viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

"Der Markt braucht ein bisschen Zeit, um sich an die steigenden Volumina anzupassen", sagt Aaron Kohli, Direktor Fixed-Income-Strategie bei BMO Capital Markets. "Als die Bid-to-Cover-Quote hoch war und stieg, war das, als die Käufe der Fed die Renditen drückten. Aber wenn die Fed auf dem Kriegspfad ist, sind Treasuries nicht das Beste, was man halten kann, und sicherlich wird die Nachfrage einen Dämpfer bekommen."

Die Regulierung des Finanzsektors nach der Krise hat es für die Primärhändler, die auf Auktionen zu bieten verpflichtet sind, teurer gemacht, das zusätzliche Treasury-Angebot aufzusaugen. Und für Kohli gibt es nur einen Weg, um mehr Bieter anzuziehen: höhere Renditen.

Für Bond-Trader sind die tagtäglichen Auswirkungen weniger klar. Als Beispiel die zehnjährige Auktion des vergangenen Monats: Die Nachfrage war die neuntniedrigste seit Anfang 2009. In allen Fällen, wenn sie niedriger war, sanken die Renditen vier Mal und stiegen im folgenden Monat vier Mal. Manchmal gab es eine Kursrally der Treasuries in das Angebot, bei anderen Gelegenheiten befanden sie sich mitten in einem Ausverkauf.

Grosse Schlussfolgerungen

Aus diesem Grund ziehen einige Strategen nur ungern grosse Schlüsse aus der aktuellen Auktion, insbesondere da Anleger versuchen, die Auswirkungen der jüngsten von Präsident Donald Trump auferlegten Zölle zu bewerten.

"Die Auktionsstatistiken, die unmittelbar nach den Auktionen herauskommen, sind wirklich ein Referendum darüber, wie gut der Markt das Risiko und die eingebaute Konzession einpreist", sagt Blake Gwinn, Stratege bei NatWest Markets. "Was den längerfristigen Renditetrend angeht, kann man sich eine starke Auktion ansehen und klar sagen, dass wir in einem bullischen Markt sind? Ich weiss nicht, ob ich jemals so weit gehen würde."

Die Auktionsnachfrage kann sich natürlich von Monat zu Monat ändern, aber der Zweijahrestrend zeichnet ein klareres Bild. Bei den dreijährigen Anleihen liegt das durchschnittliche Bid-to-Cover-Verhältnis nahe dem niedrigsten seit Juli 2010, während es sich bei der 30-jährigen Anleihe um die Tiefstände nach der Krise bewegt.

Da das Angebot steigt und die Zinserhöhungen der Fed zunehmen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die wachsende Schuldenlast beginnt, auf den Anleiheinvestoren zu lasten.

"Dieses Angebotsproblem wird den Markt stark belasten", sagt Simons. "Es dauert nur einige Zeit, bis dieser Effekt in die Erwartungen der Menschen integriert ist, denn wir hatten bislang nur einen Monat mit dem grösseren Auktionsvolumen."

(Bloomberg)