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Starker Dollar? Mitnichten

Der Dollar wird neuerdings wieder stark geredet. Doch die Amerikaner haben gar kein Interesse an einem aufgewerteten «Greenback».
25.08.2014 00:58
Von Frédéric Papp, Redaktor cash
Frédéric Papp, Redaktor cash.
Frédéric Papp, Redaktor cash.
Bild: cash

Der Dollar/Franken-Wechselkurs zählt zu den grössten "Declining Stories" der letzten vier Dekaden. Zu Beginn der 70er Jahren war ein Dollar 4,30 Franken wert. Vor rund 12 Jahren waren es noch 1,70 Franken. Seither ging es mit wenigen Ausnahmen stufenweise in den Keller. Den vorläufigen Tiefpunkt erreichte der Dollar am 9. August 2011 bei 72 Rappen. Zwar hat sich die US-Währung in der jüngeren Vergangenheit wieder auf 91 Rappen aufgewertet, der Wertverlust beträgt dennoch 80 Prozent.

Der "Greenback" ist eine riesige Wertvernichtungsmaschine. Einzig von 1980 bis 1984 zog der Dollar an, und zwischen 1995 bis 2000 kletterte die Währung, euphorisiert vom Internet-Hype, um 50 Prozent. Nun redet das Gros der Devisenauguren schon seit einer ganzen Weile den Dollar wieder stark. Die 12-Monats-Prognosen reichen von 96 Rappen bis zur Parität.

Die Prognosen fussen primär auf zwei Argumenten: dem wirtschaftlichen Aufschwung in den USA und damit zusammenhängend der Zinsdifferenz zwischen den Währungsräumen. Die Wirtschaft in den USA wächst stetig, der Arbeitsmarkt erholt sich. Die anziehende Konjunktur ermöglicht es der US-Notenbank (Fed), ihr Tapering fortzusetzen. Bisher war die Hauptbelastung für den Dollar das Gelddrucken der Fed. Damit dürfte es bald vorbei sein, wenn im Oktober 2014 die Notenbank voraussichtlich keine Wertpapiere mehr kaufen wird.

Die konjunkturelle Morgenröte in den USA verbreitert den Spielraum der US-Notenbank. Allgemein wird eine Leitzinserhöhung per Mitte 2015 erwartet. Wird die US-Notenbank Fed die Zinsen früher und schneller anheben wie die Schweizerische Nationalbank (SNB), dann wird sich die Zinsdifferenz weiter vergrössern. Und dies wiederum macht es attraktiv, sich in Franken zu verschulden und in Dollar anzulegen. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Dollars und dessen Kurs wird steigen.

Doch dies wird nicht so bald passieren. Vielmehr haben die US-Währungshüter ein Interesse daran, den Dollar möglichst lange tief zu halten. Ein stärkerer Dollar gegenüber dem Franken und vor allem gegenüber dem Euro würde nämlich die US-Exporte gegenüber Konkurrenzprodukten aus dem Ausland nur unnötig verteuern und damit die nach wie vor fragile wirtschaftliche Erholung bedrohen. Notenbank-Chefin Janet Yellen liess an der jüngsten Sitzung denn auch durchblicken, dass die Zeit für eine baldige Zinserhöhung nicht dränge, trotz der robusten Arbeitsmarktdaten.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb die Amerikaner ein höheres Zinsniveau scheuen – ihre gigantische Staatsverschuldung. Sie beträgt derzeit 17,7 Billionen Dollar. Und wenn Sie diesen Text gelesen haben, wird der Schuldenberg um weitere rund 15 Millionen Dollar angeschwollen sein. Die Zinsen müssen somit möglichst lange tief bleiben, damit die Schulden nicht noch schneller wachsen.

Die politische Elite der USA hat vielmehr ein Interesse daran, den Schuldenberg durch Inflation abzubauen. Das zeigt die Kaufkraftparität. Sie besagt, dass die Währung des Landes mit der höheren Geldentwertung sinken muss, damit die Kaufkraft der Bewohner beider Länder gleich bleibt. Die Inflationsrate in den USA ist über die Zeit deutlich höher als in der Schweiz, der Unterschied in den letzten 20 Jahren betrug regelmässig rund 2 Prozent pro Jahr. Entsprechend wird der Dollar gegenüber dem Franken weiter an Wert verlieren.