Stimme in der EZB gegen weitere Ausdehnung der Geldflut

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hat sich gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik im Euro-Raum ausgesprochen.
08.11.2016 06:57
Am Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Am Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: Pixabay

Sie sei "sehr skeptisch", was weitere Zinssenkungen oder zusätzliche expansive geldpolitische Maßnahmen angehe, sagte Lautenschläger am Montag auf einer Bundesbank-Veranstaltung in München. "Mit der Zeit wird der Nutzen geringer und die Risiken dieser Maßnahmen größer." Lautenschläger ist auch stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht.

Es greife aber zu kurz, allein die Europäische Zentralbank (EZB) für die niedrigen Zinsen verantwortlich zu machen, sagte die Notenbank-Direktorin. "Das ist ein bisschen so, als würde man den Zahnarzt dafür verantwortlich machen, dass er eine Wurzelbehandlung durchführen muss." Lautenschläger zufolge spiegeln Zinssätze die wirtschaftliche Lage wider. Und diese werde von Faktoren außerhalb der Geldpolitik beeinflusst, wie etwa von der Steuer- und Finanzpolitik sowie von Strukturreformen.

Sie sei die erste, die dafür sein werde, aus der Niedrigzinspolitik auszusteigen, sollte sich die Notenbank wieder auf einem anhaltenden Pfad in Richtung ihres Inflationsziels bewegen. Aber dies sei "zur Zeit noch nicht der Fall", sagte Lautenschläger. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft im Euro-Raum an. Im Oktober waren die Verbraucherpreise aber nur um 0,5 Prozent gestiegen.

Einseitige Debatte

Lautenschläger warnte zudem, sollten die Zinsen jetzt ansteigen, würde der Aufschwung ausgebremst, die Arbeitslosigkeit zunehmen und auch die Inflation fallen. "Wäre den Sparern damit geholfen, die ja zumeist auch Arbeitnehmer sind? Wäre den Banken damit geholfen, deren Erträge und Wertberichtungsbedarf davon abhängen, dass die Wirtschaft gut läuft? Ich denke nicht," sagte die EZB-Direktorin. Die Debatte in Deutschland über die EZB-Geldpolitik werde viel zu einseitig geführt.

Die Notenbank hält die Leitzinsen aktuell auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem kaufen die Währungshüter in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder, um die Konjunktur anzuschieben und die vergleichsweise niedrige Inflation nach oben zu treiben. Das in Deutschland umstrittene Programm soll noch bis mindestens bis Ende März 2017 fortgesetzt werden und dann eine Größenordnung von 1,74 Billionen Euro haben.

(Reuters)