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Strafzinsen für Sparer bringen nichts

In Deutschland beginnen Banken, Strafzinsen auf Privatkonti zu erheben. Das kann auch Schweizer Sparern blühen. Eine Verzweiflungstat, die niemandem etwas bringt.
07.11.2014 00:30
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

In Deutschland kams zu einem Tabubruch. Die genossenschaftliche Skatbank verlangt seit letztem Samstag von Kunden, die grosse Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten parken, einen Strafzins von 0,25 Prozent. Die Bank reagiert damit auf Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese verlangt Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr kurzfristig parken. Diese Kosten der Banken werden nun also auf die Sparer abgewälzt.

Auch in der Schweiz haben die Banken ähnliche Pläne in der Schublade (cash berichtete). Denn die Schweizerische Nationalbank ist zwecks Verteidigung der Kursuntergrenze bereit, Negativzinsen für Banken einzuführen, die bei ihr Geld einlagern.

Für Asoka Wöhrmann wird die deutsche Skatbank kein Einzelfall bleiben. Strafzinsen, die bislang höchstens für Geschäftskunden gelten, träfen bald auch Privatkunden. "Dann wird hoffentlich jedem klar, dass es sich nicht lohnt, immer mehr Geld auf Sparkonten herumliegen zu lassen", sagte Wöhrmann kürzlich. Wöhrmann ist nicht irgendwer. Er ist Chefanlagestratege des Vermögensverwaltungsarmes der Deutschen Bank. Seine Äusserungen klangen wie eine Drohung.

Klar ist: Nach Abzug der Inflation ist das Sparbuch heute schon ein Negativgeschäft. Viele risikofreudige Anleger haben sich in den letzten sechs Jahren Börsenrallye finanziell gesund gestossen. Und: Die Banken leiden immer deutlicher unter der Investitionsuntätigkeit ihrer Kunden. Am Geldhorten der Sparer verdienen die Banken keine Kommissionen. Insofern ist Wöhrmanns Ärger nachvollziehbar.

Dass Strafzinsen "negativ für die Sparkultur" sind, wie die deutsche Bundesbank warnt, und dass Strafzinsen Investitionsblasen verursachen, glaube ich nicht. Vielmehr ist es so, dass sich die Leute durch Strafzinsen schlicht nicht zum Investieren zwingen lassen.

Der Grund ist einfach: Viele Sparer haben Angst. Zwei massive Börsencrashes in einer Dekade führten zu massiven Verlusten für Privatanleger. Die unsichere Wirtschaftentwicklung seit der Finanzkrise mit der unheimlichen und riskanten Nullzinspolitik der Notenbanken lassen Sparer an einer nachhaltigen Besserung zweifeln.

Die Unlust am Investieren zeigte sich diese Woche einmal mehr in einer Umfrage von Goldman Sachs Asset Management: Fonds und Aktien sind bei Schweizern nach wie vor unbeliebt. Nicht einmal jeder Dritte hat Vermögen in Aktien investiert und nur etwas mehr als jeder Fünfte hält gegenwärtig Fondsanlagen, so die Resultate der Umfrage. Über die Hälfte der Befragten hat auch angegeben, von 100'000 Franken Anlagevolumen keinen Rappen in Fonds investieren zu wollen.

Es ist ein Trugschluss zu glauben, Strafzinsen auf Konten würden diese Anleger nun in Aktien locken. Dazu muss sich das Anlageumfeld grundlegend verbessern. Daher werden auch Banken mit Strafzinsen eine Ausnahme bleiben. Sonst kann "der Kunde im Zweifel tun, was Kunden tun sollten: 'Nein danke' sagen und wechseln", wie ein deutsches Branchenportal kürzlich schrieb.