Streit um Banken-Kapital - Basler Ausschuss hofft auf Kompromiss

(Ausführliche Fassung)
28.11.2016 13:46

DÜSSELDORF (awp international) - Im heftigen Streit um die künftigen internationalen Kapitalregeln für Banken rechnet einer der wichtigsten Verhandlungsführer, Stefan Ingves, weiter mit einem Kompromiss bis Jahresende. "Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt; und es ist meine Aufgabe, dies sicherzustellen," sagte der Präsident der schwedischen Notenbank und Chef des sogenannten Basler Bankenausschusses dem "Handelsblatt" (Montag) vor dem möglicherweise entscheidenden Treffen der Bankenaufseher in Santiago de Chile.

In der südamerikanischen Stadt verhandeln die im Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Bankenaufseher aus 27 Ländern bis Dienstag über die künftigen Kapitalvorgaben. Vor allem europäische Aufseher liefen zuletzt Sturm gegen die aktuellen, von den USA favorisierten Pläne. Sie befürchten massiv steigende Kapitalanforderungen für ihre ohnehin schon schwächelnden Institute und sehen darin eine Gefahr für die weitere Kreditvergabe. Zuletzt wurde spekuliert, dass eine Entscheidung erst Anfang Januar fallen könnte, wenn die Chefs von Notenbanken und Aufsichtsbehörden (GHOS) zusammenkommen.

Die deutschen Verhandlungsteilnehmer im Baseler Ausschuss von Bafin und Bundesbank drohten zuletzt offen mit einem Scheitern der Verhandlungen, wenn es nicht weitere Zugeständnisse gibt. Unterstützung bekam die deutsche Seite von der EU-Bankenbehörde EBA. Dagegen gilt der Schwede Ingves als Verfechter strengerer Vorgaben. Im Mittelpunkt der Diskussion steht vor allem die Bewertung von Risiken. Ingves sagte dazu: "Aber es scheint in Mode zu kommen zu sagen, die Dinge sollen sich ändern, und zugleich doch keine Änderung zulassen zu wollen. Das ergibt keinen Sinn."

Bislang können die Banken oft ihre eigenen Modelle für die Berechnung von Kreditrisiken verwenden. Das führt dazu, dass für ähnliche Finanzanlagen einzelne Banken oft ganz unterschiedliche Risiken annehmen. Dem wollen die Aufseher mit stärker standardisierten Modellen entgegenwirken. Unter Europas Banken gibt es die Sorge, dass damit ihr Kapitalbedarf gerade auch für bislang wenig riskantes Geschäft wie Baufinanzierungen kräftig ansteigt.

Die Aufseher wollen mit den neuen Vorgaben die nach der Finanzkrise 2007/08 beschlossenen strengeren Regeln für Banken -Basel III genannt - fein schleifen. Viele Banken warnen indes davor, dass sich die Vorgaben als neue Regulierungswelle entpuppen könnten und bezeichnen sie deshalb schon abfällig als "Basel IV". Das allerdings soll offiziell vermieden werden. Die Vorgabe für die Verhandlungen lautet dabei, das es zu keinem "signifikanten" zusätzlichen Kapitalbedarf kommen soll.

Offen ist derweil, wie die US-Seite nach der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten auftritt. Es sei noch zu früh, um zu sagen, inwieweit die Wahl in den Vereinigten Staaten die Arbeit des Ausschusses beeinflusse, sagte Ingves. "Aber vergessen Sie nicht, der Basler Ausschuss besteht vor allem aus Experten von Zentralbanken und Bankenaufsichtsbehörden."/enl/zb/nmu/fbr

(AWP)