Kolumne

Stritti meint - Projekt Steuerreform 17 jetzt schon eine Kompromissleiche

Weshalb Stritti angesichts der Steuerreform 17 bereits die ganzseitigen Inserate sieht mit den Bildchen aller Schweizer Finanzdirektoren, die sich im Protestschwur vereinen.
12.06.2017 23:55
Hermann Strittmatter, VR-Präsident GGK Zürich
Projekt Steuerreform 17 jetzt  schon eine Kompromissleiche

Der letzte Versuch einer Steuerreform ist vor allem daran gescheitert, dass nicht verständlich gemacht werden konnte, welche Auswirkungen sie haben könnte. Zudem wurde mit Begriffen argumentiert, die den meisten Stimmberechtigten unbekannt waren. Nur die wenigsten konnten sich ein klares Bild machen, was
die Vorlage eigentlich bezweckte, wer davon profitieren sollte und wer nicht.

Einmal mehr wurde es unterlassen, bei einem politischen Projekt den unerlässlichen Kommunikations-Kompatibilitätstest vorzunehmen.

Beim Projekt Steuerreform 17 sieht es nicht besser aus. Von der Sache her werden nun zusätzliche Kompromisse eingebaut, um irgend eine politische Mehrheit zusammenzuwursteln. Das Problem ist aber, dass diese zusätzlichen Zückerchen noch mehr Gegner auf den Plan rufen als zuvor.

Angeblich gehe man der Linken zu weit entgegen, heisst es  unter anderem. Der Linken? Es waren doch nicht nur Linke, die bei der letzten Abstimmung den damaligen Reformversuch versenkten!

Nein: Mit der höheren Dividenden-Teilbesteuerung und zusätzlichen Soziallasten (mindestens 30.- minimale Kinder- und Ausbildungskosten) jagt das zurzeit vorliegende Projekt alle KMU und Familienunternehmen in die gegnerische Wutecke.

Auch die Kantone sollen drankommen: Deren Anteil an der direkten Bundessteuer soll nur noch 20,5% betragen, was beim Kanton Zürich etwa 40 Millionen ausmachen würde. Und damit kaum noch die Chance hat, die Steuern zu senken. Ich sehe jetzt schon die ganzseitigen Inserate mit den Bildchen aller Finanzdirektoren der Schweiz, vereint im Protestschwur.

Auch  soll es jetzt  keinen Eigenkapitalzinsabzug und keine Steuer-Vergünstigungen für Software-Erträge mehr geben.

Die hatte man das letzte Mal mit dem finanzpolitisch pornografischen Begriff "zinsbereinigte Gewinnsteuer" und mit der kryptischen Schlaumeierei  "Patentbox" geschmückt.

Nur schon deswegen habe viele Bürgerinnen und Bürger schon damals angewidert  Nein gestimmt.

Was für Horrorbegriffe werden diesmal den Projektpapier-Verfassern einfallen?

Hermann Strittmatter

Hermann Strittmatter ist aktiver VR-Präsident der von ihm gegründeten Werbeagentur GGK in Zürich. Betriebswirtschafter, Swissair-Werber, Weinbauer, Gastrokritiker und Kommunikationsberater für Wirtschaft und Politik. Schreiben Sie Ihre Meinung Hermann Strittmatter direkt stritti2@bluewin.ch oder an die Redaktion.