Stromautobahnen in Deutschland verzögern sich

BERLIN/BONN (awp international) - Die für die Energiewende wichtigen Stromautobahnen von Nord- nach Süddeutschland verzögern sich durch die geplante unterirdische Verlegung voraussichtlich um mehrere Jahre. Das geht aus einem Bericht der Bundesnetzagentur hervor, über den zuerst die "Süddeutsche Zeitung" (Dienstag) berichtet hatte. Behördenchef Jochen Homann verteidigte den von Bund und Ländern gewollten Vorrang für unterirdische Kabel. "Erdkabel können uns helfen, Akzeptanz für den Netzausbau zu schaffen. Das Erdkabelgesetz verzögert den Netzausbau daher nicht, es macht ihn erst möglich", sagte Homann der Deutschen Presse-Agentur.
07.06.2016 17:58

Dass die Leitungen später als geplant Strom nach Baden-Württemberg transportieren können, verursacht Unmut im Landesumweltministerium. "Wir brauchen die Trassen, je früher desto besser", sagte Sprecher Ralf Heineken. Die Versorgungssicherheit mit Strom im Südwesten sei aber trotz der Verzögerung nicht gefährdet.

Die Verlegung der Kabel unter der Erde ist aus Sicht des baden-württembergischen Naturschutzverbandes BUND zwar "nicht die goldene Lösung", wie Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch sagte. Wärmeentwicklung der Kabel könne im Boden Schaden anrichten. Das sei aber hinzunehmen, wenn die Akzeptanz für die Stromtrassen steige und der Ausbau erneuerbarer Energien dadurch vorankomme.

Das Erdkabelgesetz war Ende 2015 verabschiedet worden, um erheblichen Widerständen aus der Bevölkerung gegen grosse neue Stromtrassen entgegenzukommen. Der Vorrang für Erdkabel bei Gleichstrom-Trassen, der die Baukosten für die Netze um mehrere Milliarden Euro erhöhen wird, war auch ein Zugeständnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Der CSU-Chef hatte über Monate eine Einigung blockiert, weil er gegen vermeintliche "Monstertrassen" mit hohen Strommasten in Bayern war. Die Verzögerungen bei den grossen Trassen entstehen, weil die bereits fertigen Planungen für Überlandleitungen nun neu aufgerollt werden müssen.

Das bestätigte auch TransnetBW, die für den Netzausbau in Baden-Württemberg zuständig ist. "Die bisherigen Untersuchungen für Freileitungstrassen sind nicht generell für eine Kabelverlegung geeignet", teilte eine Sprecherin mit. Man müsse nun neue Trassen suchen und die Erdverkabelung dort erst genehmigen lassen. Die Stromautobahnen sind nötig, um viel Windstrom aus Nord- und Ostdeutschland in die Industriezentren im Süden zu transportieren.

Nach dem Bericht der Netzagentur wird die sogenannte SuedLink-Trasse - die 800 Kilometer lange "Hauptschlagader" der Energiewende - von Norddeutschland nach Bayern und weiter nach Baden-Württemberg erst 2025 fertig, drei Jahre später als bisher geplant. Die Leitung von Osterath ins baden-württembergische Philippsburg wiederum braucht dem Bericht zufolge zwei Jahre länger bis 2021. Die Trasse SuedOstLink von Sachsen-Anhalt nach Niederbayern wird erst 2025 fertig. Ursprünglich sollten die Nord-Süd-Leitungen fertig sein, wenn die letzten deutschen Atomkraftwerke 2022 vom Netz gehen./rs/akl/tb/lem/DP/mis

(AWP)