Strombranche ringt um die Versorgungssicherheit der Zukunft

Rund 400 Teilnehmende aus dem In- und Ausland diskutieren am zweitägigen 14. Stromkongress in Bern die Versorgungssicherheit der Zukunft. Energieministerin Simonetta Sommaruga versicherte am Donnerstag, die Branche könne bei der Energiewende auf die Politik zählen.
16.01.2020 17:30

Die Strombranche sollte Teil der Lösung zur Klimapolitik sein, sagte die Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) am Donnerstagnachmittag in ihrem Keynote-Referat gemäss Redetext. Die Branche könne dabei auf die Unterstützung der Politik zählen. Es gebe den Willen, die Rahmenbedingungen zu schaffen, "damit sie handeln können und Planungssicherheit haben".

Denn Klimapolitik heisse in erster Linie Energiepolitik, so die Bundespräsidentin. "Sie können gestalten, sie können verändern, und zwar so, dass Bevölkerung und Wirtschaft profitieren können." Dazu brauche es ein Zusammenspiel aller erneuerbaren Energien. Ohne einen Umbau des Energiesystems seien die klimapolitischen Ziele nicht zu erreichen.

Sommaruga zeigte sich zuversichtlich: "Dreissig Jahre reichen für grosse Veränderungen." Der Klimawandel und das Stromabkommen mit der EU seien zwar schwierige, aber doch lösbare Aufgaben, wenn Branche, Behörden und Politik am gleichen Strick ziehen. Es gelte, das augenfällige Potenzial der Sonnenenergie, Wasserkraft und auch der Windenergie voll auszuschöpfen.

Sicher, nachhaltig und wirtschaftlich

Michael Wider, Präsident des organisierenden Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), sprach in seinem Einführungsreferat gemäss Redetext von einem "Energietrilemma", in dem sich die Strombranche neu erfinden müsse. Der Strommix der Zukunft müsse erstens die Versorgung sichern, zweitens nachhaltig sowie drittens wirtschaftlich sein.

Im nötigen Transformationsprozess gelte es die derzeitig "zu grosse Euphorie für Dogmen zu zügeln". Die Politik habe sich in den vergangenen Jahren von einer gesunden Sachpolitik zunehmend entfernt. Niemand habe die Patentlösung in der Praxis. Es wird laut Wider das Zusammenspiel von verschiedenen Lösungsansätzen brauchen, die sich sowohl rechnen als auch energiepolitisch durchsetzen lassen.

Zum Aspekt, weshalb die Schweiz so streng mit sich selber sein soll, während der weltweite Energieverbrauch weiter steige und zum grossen Teil durch fossile Energieträger abgedeckt werde, nannte der VSE-Präsident drei Gründe: Die Schweiz als gut entwickeltes Wohlstandsland habe eine Beispielfunktion; der Staat und die Unternehmen müssten einmal gefällte Entscheide konsequent, aber nicht blind umsetzen; und es gelte, das grosse Innovationspotenzial der Schweiz zu nutzen.

Wende ist machbar

Hansruedi Schalcher von der ETH Zürich und Präsident der Leitungsgruppe des Nationalfondsprojektes "Energiewende" bezeichnete einen wirtschafts- und sozialverträglichen Ausstieg aus fossilen und nuklearen Energieträgern in den nächsten Jahrzehnten als möglich. Beträchtliches Potenzial dafür sieht er namentlich in der vermehrten Realisierung von dezentralen Energiesystemen, den Strom also dort zu produzieren, wo man ihn braucht.

Die Schweiz habe die Lösungen für internationale Probleme, war eine der Aussagen am parteiübergreifenden Politpodium mit fünf Mitgliedern der Eidgenössischen Räte. Der Basler SP-Nationalrat Beat Jans appellierte dabei ganz direkt an die Strombranche und ihre Rolle bei der Dekarbonisierung: "Ihr habt den Schlüssel in der Hand."

Yves Zumwald, CEO der Netzgesellschaft Swissgrid, beklagte, dass die Schweiz zunehmend an die Grenzen ihrer Netzkapazität stosse. Ohne weitere politische Massnahmen werde es von Jahr zu Jahr schwieriger. "Die Politik muss eine Vision für das Netz haben. Für das in Europa eingebundene Schweizer Netz." Ohne Stromabkommen sei die Netzstabilität zunehmend gefährdet.

Sommaruga sagte dazu, ob und wann ein solches zustande komme, hänge vom Abschluss des institutionellen Rahmenabkommens mit der EU ab. "Aber sie werden von mir heute keine Prognose zum Abschlussdatum hören."

Veranstaltet wird der Stromkongress vom VSE und Elektrosuisse. Der VSE feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. 1895 gründeten die 16 wichtigsten Schweizer Werke den Verband in Aarau.

mk

(AWP)