Studie  - Die EZB sieht die USA als grössten Verlierer in einem Handelskrieg

Die USA werden durch den Handelskrieg deutliche Wachstumseinbussen und einen Rückgang von Investitionen erleben: Die diesem Schluss kommen Simulationen der Europäischen Zentralbank.
30.09.2018 07:11
Peter Praet, Chefökonom der EZB, ist besorgt.
Peter Praet, Chefökonom der EZB, ist besorgt.
Bild: Bloomberg

Die Europäische Zentralbank warnt vor negativen Folgen für die Weltwirtschaft durch den von US-Präsident Donald Trump entfachten Handelsstreit. Die Vereinigten Staaten wären der grösste Verlierer, sollte sich der Konflikt zu einem ausgewachsenen Handelskrieg hochschaukeln, teilte die EZB am Mittwoch in Frankfurt mit. Die Notenbank hat einen US-Sonderzoll von zehn Prozent auf alle Importe simuliert und entsprechende Vergeltungsmassnahmen in gleicher Höhe. Dies würde zu einer substanziell schlechteren Exportbilanz der Vereinigten Staaten führen. "In unserem Modell investieren US-Firmen weniger und stellen auch weniger Arbeiter ein."

Trump sieht sein Land trotz starker Wachstumszahlen als Verlierer der Globalisierung. Daher sei ein Handelskrieg für die USA leicht zu gewinnen, so Trump. Experten bezweifeln das allerdings. Der Republikaner hat bereits Sonderzölle auf Stahl und Aluminium erhoben und vor allem gegen China weitere Abgaben verhängt.

Laut EZB-Simulation könnte die US-Wirtschaft im Falle einer weiteren Eskalation zwei Prozentpunkte ihres Wirtschaftswachstums einbüssen. Der Internationale Währungsfonds rechnet dieses Jahr mit einem US-Wachstum von 2,9 Prozent und 2,7 Prozent im nächsten Jahr. China könnte per saldo sogar leicht profitieren, weil die Volksrepublik in andere Länder exportieren könne, die dann weniger Güter aus den USA bezögen.

Brexit noch immer offen

"Die Risiken steigen, das muss ich zugeben", sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in einem Interview mit Reuters TV mit Blick auf die Gefahren für den wirtschaftlichen Aufschwung in der Euro-Zone. "Aber bisher haben wir keine Auswirkungen auf reale Daten gesehen. Ich bin nicht übermässig besorgt." Neben dem Handelsstreit sind ein halbes Jahr vor dem geplanten Brexit die Modalitäten des EU-Austritts Grossbritanniens immer noch offen.

Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist der Ansicht, dass die Unsicherheit zuletzt zugenommen hat. Die Wirtschaft könne sich an einem "Krisen-Cocktail" aus internationalen Streitigkeiten und bedrohlichen politischen Entwicklungen verschlucken. Dies mache grössere Schwankungen an den Finanzmärkten wahrscheinlicher. Niemand habe prognostiziert, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China "wider alle Vernunft derart eskalieren würde". Auch zwischen der EU und den USA drohe weiter ein Wettrüsten mit Zöllen und Handelsschranken. "Die Zolldiskussion zeigt bereits Auswirkungen, wie man an den Exporterwartungen deutscher Unternehmen im Vergleich zu den Höchstständen aus dem vergangenen Jahr erkennen kann", so Sewing.

Chinas oberster Diplomat, Wang Yi, rief die USA auf, sich ohne Rhetorik aus dem Kalten Krieg dem Wettbewerb zu stellen. China plant unterdessen, ab November die Importzölle für bestimmte Produkte zu senken, etwa Maschinen, Elektrogeräte und Textilien. Laut staatlichem Radio geht es um mehr als 1500 Industriegüter. Durch die Massnahmen sollen die Kosten für Unternehmen und Verbraucher gesenkt werden.

(Reuters)