Studie: Pensionskassen womöglich vor Umstrukturierung des Portfolios

(Durchgehend neu und ergänzt nach Medienkonferenz)
05.10.2016 12:54

Zürich (awp) - Die Schweizer Pensionskassen haben trotz Negativzinsumfeld bisher offenbar ihre Portfolios wenig verändert. Dies könnte sich aber laut einer Studie in den kommenden Monaten ändern. Der Verband der Fonds- und Asset Manager verweist zudem auch auf Schwächen in der Regulierung für Pensionskassen auf der Anlageseite.

Überraschenderweise hätten negative Zinsen bisher noch begrenzte Auswirkungen auf die Investitionsentscheidungen und damit auf die Portfoliostruktur der meisten Schweizer Pensionskassen, sagte Stefan Morkötter, Professor an der Universität St.Gallen am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Er bezieht sich dabei auf eine Untersuchung der Hochschule im Auftrag der Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA).

Die Studie "The Impact of Costs and Returns on the Investment Decisions of Swiss Pension Funds" beruht den Angaben nach auf im Sommer 2016 unter den grössten Schweizer Pensionskassen durchgeführten Umfrage; 81 Kassen nahmen teil.

UNZUFRIEDENHEIT MIT RENDITE

Trotz der teilweise niedrigen Nettorenditen stehen Anleihen, Aktien und Immobilien weiterhin im Vordergrund. Privatmarkt- und Hedgefonds-Investitionen würden dagegen "vorsichtiger beurteilt", heisst es von SFAMA.

Allerdings gebe es einige Hinweise darauf, dass die Manager beginnen, die Gewichtung ihrer Anlageklasse anzupassen, so Morkötter. "Wir stehen am Anfang einer Portfolio-Umstrukturierung", ist er überzeugt.

In den nächsten Monaten rechnet Morkötter, auch, weil Anleihen fällig würden, mit einem Anstieg der Barbestände bei den Pensionskassen, und daraufhin mit Umschichtungen. Der Forscher vermutet, dass Anleihen weniger stark gewichtet werden könnten, während Immobilien weiter im Fokus blieben, Aktien stärker gewichtet würden und alternative Anlagen insbesondere Private Equity "viel stärker" gewichtet würden.

Denn das Risiko-Rendite-Profil von Anleihen wird laut Studie sehr skeptisch bewertet. Es herrsche diesbezüglich eine Unzufriedenheit, kommentierte Morkötter die Ergebnisse. Derzeit werden die meisten Portfolios weniger als einmal pro Jahr neu gewichtet und umstrukturiert.

OBERGRENZEN IN KRITIK

Mit Blick auf die Regulierung bei Anlage-Entscheidungen bemängelt SFAMA zudem regulatorische Schwächen der beruflichen Vorsorge. Nebst dem schwierigen Marktumfeld mit Niedrigstzinsen würden auch mangelhafte Vorgaben, oder aber zumindest "Unschönheiten" oder Inkonsistenzen der Regulierung das Vorsorgesystem schwächen, sagte Geschäftsführer des Verbands, Markus Fuchs. Der Bundesrat könne mit einfachen Massnahmen - weitestgehend ohne Gesetzesänderungen - wesentliche Verbesserungen in der zweiten Säule erzielen.

So beklagt der Branchenverband etwa einen "Wildwuchs von Zuständigkeiten" für Anlage- und Bewertungsvorschriften: Der Bundesrat regle die Anlagevorschriften durch Verordnungen, die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) zusätzlich die Anlagen für Anlagestiftungen und das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in Mitteilugen und Weisungen weitere Einzelheiten. Die Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma wiederum regle in einem Rundschreiben die Anlagen der gebundenen Vermögen der Versicherungen für die berufliche Vorsorge und schütze den Anleger mit Anlagevorschriften im Kollektivanlagengesetz (KAG) und Verordnungen.

KATEGORIE-OBERGRENZEN IN KRITIK

Dies führe zu einem hohen Aufwand für alle Beteiligten mit hohen Kosten, so Fuchs weiter. Der Verband schlage daher vor, dass die Zuständigkeiten für die Auslegung von Anlagevorschiften bei der Finma zusammengefasst würden.

In einem weiteren Vorschlag geht es darum, die heutigen Kategoriebegrenzungen für einzelne Anlagekategorien abzuschaffen. Und eine Pflicht zur Ertragsoptimierung solle ausdrücklich eingeführt werden. "Selbstverständlich ist eine Risikoverteilung wichtig", so Fuchs.

Es gelten Begrenzungen - bezogen auf das Gesamtvermögen - für Aktien von 50%, für Immobilien von 30% (wovon maximal ein Drittel im Ausland) sowie für alternative Anlagen von 15%.

ys/mk

(AWP)