Südkorea plant weitere Milliarden-Hilfen für Schiffbauindustrie

(Ausführliche Fassung)
31.10.2016 14:52

SEOUL/TOKIO (awp international) - Südkorea will der angeschlagenen einheimischen Schiffbauindustrie mit öffentlichen Aufträgen in Milliardenhöhe helfen und so mehr als 250 Schiffe bauen lassen. Finanzminister Yoo Il Ho kündigte am Montag in Seoul auch weitere Finanzhilfen in Höhe von 6,5 Billionen Won (5,2 Mrd Euro) für die ebenfalls kriselnde Schifffahrtindustrie an. Im Nachbarland Japan treibt unterdessen der existenzbedrohende Preiskampf in der Container-Schifffahrt die Fusionswelle in der Branche weiter voran.

Die Regierung in Seoul will für die Neubau-Aufträge, die auch Militärschiffe einschliessen sollen, bis 2020 mehr als elf Billionen Won (8,8 Mrd Euro) ausgeben. Davon sollen auch die drei grössten Werften der Welt profitieren, die allesamt in Südkorea stehen. Bis Ende des Jahrzehnts müsse die Schiffbauindustrie mit einer weiter sinkenden Nachfrage rechnen, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap Minister Yoo.

Schwache Schifffahrtsmärkte hatten auch die drei grössten Werften getroffen. Hyundai Heavy Industries, Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering (DSME) und Samsung Heavy Industries legten eigene Rettungspläne vor. Nach Angaben der Regierung werden bei den drei Unternehmen bis 2018 etwa 20 000 Beschäftige entlassen. Zudem sollen ihre Kapazitäten durch die Reduzierung der Baudocks von derzeit 31 auf 24 gekappt werden.

Um die Schifffahrtindustrie zu normalisieren, will die Regierung Firmen helfen, neue Schiffe zu ordern, darunter Massengutfrachter und Container-Schiffe. Die Ankündigung erfolgte zwei Monate nach der Insolvenz der vormals grössten südkoreanischen Reederei Hanjin Shipping. In Hamburg hatte die "Hanjin Europe" mehrere Wochen auf ihre Entladung gewartet. Die Zukunft des Unternehmens ist unklar.

In Japan wollen derweil die drei grössten dortigen Reedereien ihre Container-Sparten zusammenführen, wie Nippon Yusen KK, Mitsui O.S.K. Lines und Kawasaki Kisen Kaisha ankündigten. Wenn das Bündnis zustande kommt, entsteht den Plänen zufolge bis April 2018 die sechstgrösste Container-Reederei der Welt mit 256 Schiffen und einem Jahresumsatz von rund zwei Billionen Yen (17,4 Mrd Euro). Von dem Zusammenschluss versprechen sich die Beteiligten jährliche Einsparungen von 110 Milliarden Yen.

Die Branche steckt seit Jahren in der Krise. Die Nachfrage hält mit den hohen Transportkapazitäten nicht mit. Die grösste deutsche Container-Reederei Hapag-Lloyd steuert nach dem Zusammenschluss mit der chilenischen Reederei CSAV auf eine Fusion mit der arabischen Konkurrentin UASC zu. Weltmarktführer Moeller-Maersk versucht, mit einem harten Sparprogramm aus der Krise zu kommen./dg/stw/jha/das/DP/das

(AWP)