Südkoreas Präsidentin misslingt Befreiungsschlag in Korruptionsaffäre

SEOUL (awp international) - Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye gerät wegen einer Korruptionsaffäre um eine langjährige Freundin immer weiter in Bedrängnis. Tausende Südkoreaner forderten bei Anti-Regierungsprotesten in Seoul den Rücktritt der konservativen Staatschefin. Der 64 Jahre alten Park wird vorgeworfen, sie habe ihrer Freundin Choi Soon Sil ermöglicht, sich ohne öffentliches Amt in Regierungsgeschäfte einzumischen. Choi ist die Tochter eines früheren Förderers der Präsidentin. Beobachter befürchten, dass der Skandal die Regierungsgeschäfte bis zur nächsten Wahl im Dezember 2017 zum grossen Teil lähmen könnte.
30.10.2016 15:41

Die 60-Jährige Choi will sich jetzt in ihrer Heimat den Fragen der Ermittler stellen. Sie hatte sich zuvor in Deutschland aufgehalten. Choi sei am Sonntag freiwillig über London nach Südkorea zurückgekehrt, berichteten TV-Sender unter Berufung auf einen Staatsanwalt. Choi entschuldigte sich zutiefst bei den Menschen, dass sie eine starke Verärgerung ausgelöst habe.

Die Beziehungen der beiden Frauen reichen Jahrzehnte zurück. Präsidentin Park hatte eingeräumt, während des Wahlkampfs und noch nach ihrem Amtsantritt 2013 die Hilfe ihrer langjährigen Freundin in Anspruch genommen zu haben. Choi bearbeitete unter anderem Dutzende von Reden Parks vor der Veröffentlichung.

Die Ermittler gehen ausserdem dem Verdacht nach, dass Choi ihre Beziehungen zur Präsidentin benutzt haben könnte, Spendengelder in Millionen-Höhe für zwei private Stiftungen einzutreiben - angeblich auch zur persönlichen Bereicherung. Die Freundin der Präsidentin hatte vor wenigen Tagen im Interview einer südkoreanischen Zeitung Vorwürfe der Korruption zurückgewiesen.

Choi ist die Tochter von Choi Tae Min, eines früheren Sektenführers und Förderers von Park. Chois Vater wird auch grosser Einfluss auf Parks Vater, den früheren Diktator Park Chung Hee, nachgesagt. Eine ähnlich Rolle wie ihr Vater soll Choi bei der jetzigen Präsidentin eingenommen haben.

Unterdessen nahm Park als Folge des Skandals die Rücktrittsgesuche ihres Stabschefs sowie vier ihrer Chefsekretäre und weiterer Mitarbeiter an, wie ihr Büro mitteilte. Die beiden Chefsekretärs-Posten für Zivilangelegenheiten und Öffentlichkeit besetzte Park neu.

Bei den Protesten am Samstag hielten die Teilnehmer Schilder mit der Aufschrift: "Park Geun Hye, tritt zurück!" in der Hand. Die Menschen zogen durch die Innenstadt in Richtung Präsidialpalast, doch wurde der Weg dorthin von Bereitschaftspolizisten blockiert. Nach Angaben der Veranstalter nahmen an der Demonstration etwa 20 000 Menschen teil. Die Polizei gab die Zahl mit rund 9000 an./dg/DP/he

(AWP)