Südafrika reagiert scharf auf Äusserungen Trumps zur Landreform

Die Regierung Südafrikas hat US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, Rassenkonflikte in ihrem Land anzuheizen. In einer scharf formulierten Mitteilung im Kurzbotschaftendienst Twitter reagierte Pretoria am Donnerstag auf eine Äusserung Trumps, in der dieser weisse südafrikanische Farmer einseitig als Opfer von Enteignungen und tödlicher Gewalt bezeichnet hatte.
23.08.2018 15:16

"Südafrika weist diese verkürzte Wahrnehmung, die unsere Nation zu spalten sucht und uns an unsere Kolonialvergangenheit erinnert, vollumfänglich zurück", hiess es in der Twitter-Antwort der südafrikanische Regierung. Die Landreform in Südafrika werde vorsichtig und auf eine verträgliche Weise beschleunigt, die "unsere Nation nicht spaltet".

Trump hatte in der Nacht zum Donnerstag auf Twitter erklärt: "Ich habe Aussenminister (Mike) Pompeo angewiesen, die Land- und Beschlagnahmungen und Enteignungen und die grosse Zahl an Tötungen von (weissen) Farmern genau zu verfolgen."

Die Äusserungen des US-Präsidenten folgten offenbar auf einen Beitrag des konservativen US-Fernsehsenders Fox News über Pretorias Pläne für eine Verfassungsänderung mit dem Ziel einer Landreform in Südafrika. Trump verfolgt intensiv das ihn und seine Politik unterstützende Fox-News-Programm, während er zahlreiche andere US-Medien bezichtigt, notorisch Falschnachrichten zu verbreiten.

Landreform seit Jahrzehnten angestrebt

Die Ungleichverteilung von Land ist in Südafrika ein heikles Thema mit gesellschaftlicher Sprengkraft. Auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid besitzen weisse Südafrikaner 72 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen; ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung macht aber nur acht Prozent aus. Schwarze besitzen lediglich vier Prozent des Farmlandes.

Die Regierung von Präsident Cyril Ramaphosa kündigte jüngst Verfassungsänderungen zur Beschleunigung einer entschädigungslosen Enteignung weisser Farmer zugunsten ärmerer schwarzer Bürger an. Die Pläne müssen vom Parlament noch abgesegnet werden.

Über die Frage ist im Land eine erhitzte Debatte entbrannt. Gegner fürchten, dass die Wirtschaft Schaden nehmen könnte. Unter den weissen Südafrikanern lösen die Pläne erhebliche Sorgen aus.

Die Landreform ist für den ANC schon seit Amtsantritt ihres früheren Präsidenten Nelson Mandela 1994 ein zentrales Ziel. Bislang verfolgt die südafrikanische Politik noch einen Ansatz, bei dem die Übergabe von Land nur einvernehmlich erfolgen kann. Im Februar stimmte das Parlament aber für die Einsetzung einer Kommission, die Änderungen an der Verfassung zugunsten erzwungener entschädigungsloser Enteignungen erarbeiten soll.

(AWP)