Südamerika - Politik-Turbulenzen werden Druckpunkte für Lateinamerikas Märkte

In Lateinamerika geht es turbulent zu: Proteste gegen die Regierung in Venezuela und Paraguay, ein Angriff auf den Kandidaten der Opposition für die Präsidentschaftswahlen in Ecuador und Proteste in Brasilien.
09.04.2017 09:01
Das Monument Cristo Redentor in Rio de Janeiro auf dem Berg Corcovado.
Das Monument Cristo Redentor in Rio de Janeiro auf dem Berg Corcovado.
Bild: Bloomberg

Das alles löst Besorgnis über die politische Stabilität in einigen der Schwellenländermärkte mit der besten Entwicklung bislang in diesem Jahr aus. Bloomberg hat einige der Druckpunkte für die Märkte der Region zusammengestellt:

Venezuela

Bei der venezolanischen Staatsanleihe mit Fälligkeit 2027 ist der Kurs auf den niedrigsten Wert seit August abgerutscht. Zuvor hatte das Oberste Gericht am 29. März erklärt, es würde die Aufgaben der von der Opposition kontrollierten Nationalversammlung übernehmen - zugunsten der sozialistischen Regierungspartei. Nach Protesten wurde die Entscheidung am Samstag rückgängig gemacht. Die Anleihekurse könnten sich erholen.

"Zwar dürften die politischen Turbulenzen die Kreditwürdigkeit kurzfristig beeinflussen. Letztlich wird aber die Entwicklung beim Ölpreis über das Schicksal des Staates entscheiden", schrieben die Analysten Munir Jalil, Esteban Tamayo und Donato Guarino von Citigroup in einem Bericht. 

Auf Petroleos de Venezuela SA, die staatliche Ölgesellschaft, kommt unterdessen in diesem Monat die Rückzahlung einer Anleihe im Volumen von 2Mrd. Dollar zu. Der Kurs fiel vor einer Woche auf den niedrigsten Wert seit Februar.

Paraguay

Seit Paraguay vor nzwei Wochen eine Anleihe im Volumen von 500 Mio. Dollar aufgelegt hat, ist deren Kurs gestiegen. Die Rally dürfte gefährdet sein, nachdem Demonstranten am Freitag vor einer Woche im Kongress-Gebäude in Asuncion Feuer gelegt hatten. Anlass für die Proteste war, dass die Mehrheit der Senatoren den Vorschlag für eine Verfassungsänderung billigte, die es ermöglicht, dass Präsident Horacio Cartes für eine zweite Amtszeit kandidieren darf.

Ecuador

Ecuador ist ins Rampenlicht geraten als es im Vorfeld der zweiten Wahlrunde zu einem Angriff einiger Personen auf den konservativen Oppositionskandidaten Guillermo Lasso kam, der ein WM-Qualifikationsspiel zwischen Ecuador und Kolumbien besucht hatte. Nach einem Kopf-an-Kopf Rennen hatten dann am Sonntagabend beide Kandidaten, Lenin Moreno von der regierenden Koalition und Lasso, den Sieg für sich reklamiert. Das schürte Sorgen über eine mögliche politische Krise in dem Andenstaat und kleinsten OPEC-Mitglied.

Ecuadors Staatsanleihe mit Fälligkeit 2024 im Volumen von 2 Mrd. Dollar - das liquideste Dollar-Papier des Landes - bietet Investoren eine höhere Rendite als vergleichbare Nigeria-Bonds. Die Ratingagentur Standard & Poor’s benotet die Bonität beider Länder auf dem gleichen Niveau.

Brasilien

Der brasilianische Real zählt neben dem kolumbianischen Peso und Mexikos Peso zu den, gemessen an der implizierten Ein-Monats-Volatilität, fünf volatilsten Währungen unter 31 Währungen, die von Bloomberg beobachtet werden.

Präsident Michel Temer stösst inzwischen auf eine Ablehnungsquote von 73 Prozent, nach 64 Prozent im Dezember und 53 Prozent im Juni. Das ging aus einer letzten Woche veröffentlichten Umfrage von Ibope für den nationalen Industrieverband CNI hervor. Temer, der im vergangenen Jahr nach dem Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff an die Regierung kam, treibt unpopuläre Sparmassnahmen voran, auch wenn eine Konjunkturerholung bislang auf sich warten lässt.

Mexiko

Auch andere Märkte in der Region ziehen das Interesse der Investoren auf sich. Argentinien lässt eine Rezession hinter sich und Mexikos Peso hat sich von der Währung mit der schlechtesten Entwicklung im vergangenen Jahr zur besten Performance unter den wichtigen Währungen in diesem Jahr aufgeschwungen. Gehebelten Fonds ist das aufgefallen. Sie verkaufen erstmals seit Mai den US-Dollar leer gegen den Peso, da sich die Präsidentschaft von Donald Trump bislang nicht so toxisch für die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko erwiesen hat, wie seine Wahlkampf-Rhetorik befürchten liess.

(Bloomberg)