Swiss Finance Institute warnt vor Performance-Aktien als Bonus

Zürich (awp/sda) - In der Diskussion um Managerboni warnt das Swiss Finance Institute (SFI) vor Performance-Aktien, die an bestimmte Leistungskriterien geknüpft sind. Damit würden die starken Risikoanreize für die Manager eher unter den Teppich gekehrt als effektiv verringert.
07.12.2016 15:19

Viele Unternehmen hätten die in Verruf geratenen Aktienoptionen durch Performance-Aktien ersetzt, teilte das SFI anhand einer Analyse des derzeitigen Stands der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) in der Schweiz mit. Dies seien Aktien, deren Zuteilung von dem Erreichen bestimmter Leistungszielen abhänge.

Dadurch sollten exzessive Risikoanreize reduziert werden. "Dies ist jedoch ein Irrtum, da starke Risikoanreize bei diesen modischen Best-Practice-Instrumenten bestehen bleiben", folgert das SFI. Diese Risikoanreize würden im Verwaltungsrat eher verdrängt statt angemessen gesteuert.

EINFACHE AKTIEN BESSER

"Wenn ein Verwaltungsrat glaubt, durch den Wechsel von Optionen auf Performance-Aktien das Problem der Risikoanreize gelöst zu haben, ist das potentiell gefährlich", sagte der Zürcher Uniprofessor Alexander Wagner bei der Vorstellung der Analyse vor den Medien.

Einfache Aktienprogramme könnten angemessener für die langfristige Vergütung sein. "Entgegen dem derzeitigen Trend ist der Einsatz von Performance-Aktien nicht unbedingt empfehlenswert", schreibt das Institut, das 2006 aus einer Partnerschaft des Schweizer Finanzsektors, von Schweizer Universitäten und des Bundes ins Leben gerufen wurde.

Das SFI versteht sich als Kompetenzzentrum für Forschung und Doktorandenausbildung, Wissenstransfer und Weiterbildung im Bereich Banken und Finanzen. Auch die einfachen Aktien, die die Manager eine gewisse Zeit lang halten müssten, würden Anreize bieten, sagte Wagner.

KRITIK AN FRAUENQUOTE

Kritik übte Wagner an den Plänen des Bundesrates für eine Frauenquote für die Teppichetage von Unternehmen. Die Landesregierung will, dass im Verwaltungsrat börsenkotierter Gesellschaften mit mehr als 250 Mitarbeitenden mindestens 30 Prozent Frauen sitzen sollen und in der Geschäftsleitung mindestens 20 Prozent.

"Aus empirischer Sicht kann man aber sagen, dass Quoten nicht zu einem Mehrwert des Unternehmens führen", sagte der Co-Autor des Analysepapiers, Christoph Wenk: Im Gegenteil: In Norwegen, wo 2003 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt worden sei, hätten verschiedene Studien eine negative Reaktion des Aktienmarktes auf diese Mindestquoten gezeigt.

Auch beim Arbeitsmarkt für Frauen auf Stufe Verwaltungsrat habe es keine grossen Veränderungen gegeben. Die Vergütungsunterschiede zu den Männer seien gleich gross geblieben. Und es habe auch nicht mehr Frauen gegeben, die sich für ein solches Amt beworben hätten, sagte Wenk.

Hingegen würden laut einer weiteren Studie Frauen, die Unternehmen aus eigenen Stücken in den VR berufen würden, Wert für die Firmen schaffen. Dies erkläre sich damit, dass Frauen wegen des schwierigeren Wegs an die Spitze einen besseren Rücksack mitbringen müssten als Männer, erklärte Wenk.

KRITIK AN RICHTWERTEN

Der Bundesrat spricht allerdings nicht von Quoten, sondern von Richtwerten. Tatsächlich sind keine Sanktionen vorgesehen: Erfüllt ein Unternehmen die Richtwerte nicht, muss es lediglich im Vergütungsbericht die Gründe sowie Massnahmen zur Verbesserung darlegen. Im Finanzjargon ist vom so genannten Comply-or-explain-Ansatz die Rede.

Auch hier übt das SFI-Papier Kritik: Viele Verwaltungsräte würden lieber die Richtwerte einhalten, als die Gründe darzulegen. Denn Erklärungen würden Reputationrisiken nach sich ziehen, die viele Verwaltungsräte scheuen würden. Damit werde de facto ein Massstab gesetzt, sagte Wagner. Besser wäre es, die Unternehmen würden entscheiden, was für sie gut sei, und dann diesen Entscheid erklären müssen.

sig/

(AWP)