Swiss Fintech Day 2017 - «Wir müssen mutiger und lauter werden»

Urs Haeusler, Mitgründer von Swiss Fintech Startups, äussert sich im cash-Video-Interview zum Wachstum und zu den Herausforderungen der Schweizer Fintech-Szene.
04.09.2017 16:12
Von Daniel Hügli
Urs Haeusler, Mitgründer Swiss Finance Startups.
Bild: cash

Fast kein Tag vergeht, ohne dass eine Meldung über die Schweizer Fintech-Szene über die Newsticker rauscht. In den letzten Monaten häuften sich speziell die Nachrichten, wonach sich etablierte Unternehmen in den noch relativ jungen Sektor der Finanztechnologie einkauften.

So erwarb Julius Bär kürzlich eine Minderheitsbeteiligung an Nectar Financial, einem Schweizer Fintech-Unternehmen für Wealth und Asset Management. Der Versicherer Bâloise kaufte die Online-Umzugsplattform Movu und startete mit dem Fintech-Spezialisten Anthemis eine Partnerschaft zwecks Beteiligungen an Schweizer, britischen und amerikanischen Startups.

Der Trend zur Digitalisierung in der Schweizer Finanzwelt nimmt zu, und mit ihm ist auch die Zahl der Jungunternehmen gestiegen. Zählte der Branchenverband Swiss Finance Startups noch vor vier Jahren rund 12 Fintech-Unternehmen in der Schweiz, so sind es heute deren 210. "Das zeigt, wie wichtig diese Industrie langsam wird und es zeigt, dass die Schweiz eine führende Rolle spielen könnte in diesem Bereich", sagt Urs Haeusler, Mitgründer und Vorstandsmitglied von Swiss Finance Startups, im cash-Video-Interview am Rande des Swiss Fintech Day am Montag in Schlieren ZH.

Die steigende Zahl von Fintech-Unternehmen, deren Selbstinszenierung mittels zahlreicher stattfindender Awards könnte gar den Eindruck erwecken, dass in der Schweizer Fintech-Szene etwas wie eine Bubble entstanden sei. Haeusler verneint nicht, doch "eine Bubble ist vielleicht gar nicht schlecht und ist ganz normal für eine Branche, die sich entwickelt", sagt der frühere CEO der Private-Equity-Plattform Dealmarket. Diese wurde Anfang Jahr vom deutschen Cloud-Anbieter Drooms geschluckt. Haeusler ist heute dessen Country Manager Schweiz.

Ängste spielen mit

Mit dem Wachstum der Fintech-Branche ist indes bereits eine Konsolidierung eingetreten. Übernahmen von Fintechs durch grössere, etablierte Firmen werden sicher noch mehr Teil sein dieser Konsolidierung in der Fintech-Szene in den nächsten Jahren. "Fintechs werden auch mehr kooprieren miteinander", fügt Haeusler an.

In der Branche ist man sich auch einig, dass Fintechs nie mit grösseren Banken direkt werden konkurrieren können. Aber Fintechs werden sich in Teilbereichen der Banken-Geschäftsmodelle einnisten. Vermehrte Partnerschaften mit Fintechs werden die Folge sein. Haeusler geht gar einen Schritt weiter. "Banken spalten sich auf in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Junge, dynamische Unternehmen können Dienstleistungen dann effizienter und kostengünstiger ersetzen."

Am Swiss Fintech Day in Schlieren waren mitunter weniger optimistische Stimmungen auszumachen. Zum Beispiel, dass die Schweiz punkto Rahmenbedingungen und Startup-Investitionen international ins Hintertreffen gerät - oder bereits geraten ist. Ein Warner ist Professor Georges Grivas von der Hochschule Luzern. Seiner Meinung spielen Schweizer Fintech-Unternehmen global eine marginale Rolle, sagte Grivas gemäss Netzwoche an der Swiss Digital Finance Conference in diesem Frühling. Seiner Ansicht nach ist die grösste Herausforderung für den Finanzplatz Schweiz allerdings nicht die Technologie, sondern die Transformation "zu einer digitalen Kultur".

Zur digitalen Kultur gehört auch die Akzeptanz von unternehmerischem Scheitern und vielleicht auch etwas weniger Rücksichtnahme in der Startup-Welt. Denn am Swiss Fintech Day stand  auch der Vorwurf von Saxo-Bank-CEO Patrick Hunger im Raum, dass in der Schweizer Fintech-Szene "alle lieb miteinander umgehen". Wenn es um die Formulierung von Zielen und Ansprüchen geht, müssten Schweizer Startups tatsächlich etwas anders auftreten: "Wir müssen mutiger und lauter werden, auch ein bisschen deutscher", sagt Haeusler.

Im cash-Video-Interview äussert sich Urs Haeusler auch zur regulatorischen Fragen in einer digitalisierten Bankenwelt.