Swisscanto-CEO: «Notenbankpolitik bedroht Renten»

2012 war ein gutes Jahr für die Pensionskassen, sagt Swisscanto-CEO Gérard Fischer. Dennoch bleiben die Rendite-Probleme der Kassen bestehen. Einen wichtigen Part spielen dabei die Notenbanken.
15.05.2013 14:59
Von Frédéric Papp
Gérard Fischer, CEO von Swisscanto, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Die aktuelle Umfrage von Swisscanto bei den Schweizer Pensionskassen, die am Mittwoch präsentiert wurde, zeigt erfreuliche Resultate: Der Deckungsgrad der Kassen hat sich im vergangenen Jahr signifikant erhöht. Die privatrechtlichen Pensionskassen steigerten ihn per Ende 2012 um sechs auf 109 Prozent. Bei den öffentlich-rechtlichen Kassen liegt er bei rund 100 Prozent (+ 5 Prozent).

"Die Pensionskassen profitieren von der Börsenhausse", sagt Swisscanto-CEO Gérard Fischer im cash-Video-Interview. Durchschnittlich erzielten die Kassen 2012 eine Anlagerendite zwischen fünf und zehn Prozent, so Fischer. Vor allem Kassen mit einem relativ hohen Aktienanteil erreichten gute Renditen. Laut der Umfrage von Swisscanto mit 343 Umfrageteilnehmern beträgt die Aktienquote knapp 28 Prozent. Ein Grossteil davon ist in Schweizer Aktien investiert.

Ein gutes Börsenjahr reicht nicht, um Entwarnung zu geben. Denn die Deckungsgrade weichen immer noch klar von den angestrebten Zielwerten von 116 Prozent ab. Kopfzerbrechen bereitet den Kassen insbesondere die anhaltende Tiefzinsphase. Im Obligationenbereich sind nur noch sehr magere Renditen zu erreichen und rutschen teilweise sogar in die Minuszone ab. "Vor allem die Versicherer sind davon betroffen, weil sie von Gesetzes wegen einen hohen Anteil an Obligationen halten müssen", sagt Fischer und doppelt nach: "Dies ist ökonomischer Unsinn." Ein Überdenken der Anlagevorschriften wäre, so Fischer, dringend notwendig.

Schleichende Enteignung

Die Notenbanken halten mir ihrer expansiven Geldpolitik die Zinsen künstlich tief. "Dies gefährdet unsere Renten", sagt Fischer. Denn den Pensionskassen entgehen somit wichtige Erträge, welche für die Finanzierung der Renten fehlen. Die Umfrage zeigt: Im Schnitt sind Pensionskassen zu 36 Prozent in Anleihen investiert.

Die Tiefzinspolitik kommt einer schleichenden Enteignung der Pensionskassenvermögen gleich. Nach den Worten von Fischer: "Wir subventionieren die Staatsschulden, weil die Staaten keine marktgerechte Verzinsung zahlen müssen." Im derzeitigen wirtschaftlich fragilen Umfeld in Europa ist nicht mit einer baldigen Zinserhöhung zu rechnen. Vielmehr ist das Gegenteil zu beobachten. Reihenweise senken Notenbanken die Zinsen, um eine Aufwertung der Währung zu unterbinden oder Wettbewerbsvorteile zu generieren.

Im Video-Interview sagt Fischer, welche Asset-Allokation Pensionskassen verfolgen sollten, um die Rentenansprüche zu garantieren. Zudem äussert er sich zu den Folgen der teils rigiden Anlagevorschriften für bestimmte Pensionskassen.