Swissgrid muss für das Stromnetz tiefer in die Tasche greifen

(Ausführliche Fassung)
25.10.2016 18:56

Bern (awp/sda) - Die Elektrizitätskommission ElCom hat die Bewertung des von den Stromkonzernen an die Netzbetreiberin Swissgrid übertragenen Stromnetzes neu geregelt. Swissgrid muss nachzahlen. Auf die Übertragungstarife hat das keinen Einfluss. Den Stromkonzernen spült es aber Geld in die Kassen.

Swissgrid ist seit 2013 Eigentümerin des schweizerischen Übertragungsnetzes. Die Elcom verordnete im September 2012 eine Bewertungsmethode für die von den Stromkonzernen an die Netzbetreiberin übertragenen Netze. Die Verfügung wurde von einigen früheren Besitzern angefochten.

Im November 2013 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass es sich bei der Überführung um eine formelle Enteignung handelte. Die gewählte Methode entspreche nicht dem verfassungsmässigen Anspruch auf volle Entschädigung nach enteignungsrechtlichen Grundsätzen. Die Elcom musste damit wieder über die Bücher.

Einige der früheren Eigentümer entwickelten aufgrund des Gerichtsentscheids eine Methode zur Ermittlung des Werts und konsultierten die Elcom, wie Swissgrid am Dienstagabend mitteilte.

Die Methode wurde in einem Vertrag zwischen Swissgrid und den früheren Netzeigentümern festgelegt. Der Vertrag bildet die Grundlage für die am vergangenen Donnerstag erlassene Elcom-Verfügung.

415 MILLIONEN MEHR

Für die Swissgrid hat das Folge, dass sie für die korrigierte Bewertung 415 Mio CHF nachschiessen muss. Voraussetzung ist, dass der Verfügung 2016 Rechtskraft erwächst.

Die Netzbetreiberin weist den Betrag für das laufende Geschäftsjahr aus, bereinigt ihn aber durch die im ersten Quartal 2017 vorgesehene Abwicklung wieder. Das wirkt sich nicht auf den Betriebsgewinn aus. Auch die Übertragungstarife werden nicht tangiert, denn Swissgrid setzt frühere Auktionserlöse für die Deckung der Kosten ein.

Das Geld fliesst an die derzeit in einer misslichen Lage steckenden Stromkonzerne. Die Axpo erhält zusätzliche 160 Mio CHF und damit den Löwenanteil, wie sie in einem Communiqué schreibt. Die Zahlung erwartet das Unternehmen im Geschäftsjahr 2016/17.

Alpiq fliessen nach Unternehmensangaben als Vorauszahlung im ersten Quartal 2017 ungefähr 100 Mio CHF zu. Die Umsetzung werde in der Jahresrechnung des Geschäftsjahres 2016 abgebildet. Der einmalige Ertrag für die BKW beläuft sich nach deren Einschätzung auf 38 Mio CHF zuzüglich Zinsen. Der Bündner Energiekonzern Repower schliesslich erwartet aus der Entscheidung einen Mittelzufluss von rund 4,5 Mio CHF im ersten Quartal 2017.

uh/

(AWP)