Swissgrid-Netz erreicht Belastungsgrenze - Aktivitäten 2016 weiter konsolidiert

Für Swissgrid wird es immer anspruchsvoller, das Übertragungsnetz sicher zu betreiben. Hohe Stromtransite durch die Schweiz, ungeplante Lastflüsse und beschränkte Grenzkapazitäten brächten die Netzinfrastruktur an ihre Belastungsgrenze, heisst es in einer Mitteilung anlässlich der Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag. Hinzu komme auch eine steigende Importabhängigkeit.
06.04.2017 08:43

So sei auch die Lage im Winter 2016/17 "herausfordernd" gewesen - nach einer bereits angespannten Energie- und Netzsituation im Winter 2015/16, teilt Swissgrid mit. Die Netzsituation war in mehreren Ländern Europas angespannt - wegen Ausfällen von französischen Kernkraftwerken sowie einer Kältewelle im Januar 2017, was eine erhöhte Koordination mit den benachbarten Übertragungsnetzbetreibern erfordert habe.

Die Netzsituation konnte in der Schweiz jedoch stabil gehalten werden. Allerdings musste die zur Verfügung stehende Importkapazität maximiert werden und war in diesem Winter deutlich höher als im vergangenen Jahr. 2016 waren diesbezüglich technische und marktseitige Massnahmen getroffen worden, wie es heisst. Ausserdem sei ein Transformator im Unterwerk Beznau seit dem 20. März 2017 in Betrieb, solange bis Block 1 wieder ans Netz geht. Der Reaktor ist bereits seit über zwei Jahren ausserplanmässig vom Netz.

Ein sicherer Netzbetrieb sei zunehmend komplexer und anspruchsvoller, und strukturelle Engpässe im Schweizer Übertragungsnetz müssten dringend beseitigt werden, so das Fazit des staatlichen Höchstspannungsnetzbetreibers. Wichtige Ausbauvorhaben seien durch langwierige Verfahren und Einsprachen verzögert oder gar blockiert, heisst es.

DEUTLICH HÖHERER BESCHAFFUNGSAUFWAND

Mit Blick auf das Geschäft im Gesamtjahr 2016 zeigt sich Swissgrid indes zufrieden und spricht von einem erfreulichen Ergebnis. "Mit der weiteren Konsolidierung unserer Aktivitäten haben wir eine solide Ausgangslage geschaffen, um die künftigen Herausforderungen zu bewältigen", lässt sich CEO Yves Zumwald zitieren.

Swissgrid ist im Zuge der Schweizer Strommarktliberalisierung entstanden: Das Stromversorgungsgesetz sieht die Entflechtung (Trennung von Netzbetrieb und Produktion) vor, womit die Gesellschaft ins Leben gerufen wurde. Anfang 2013 wurde bereits der Grossteil des Höchstspannungsnetzes von den bisherigen Eigentümern - den Stromunternehmen - übertragen.

Wegen einer einmaligen Enteignungsentschädigung resultierte jetzt ein deutlich höherer Beschaffungsaufwand. Die Elektrizitätskommission ElCom hat die Bewertung des von den Stromkonzernen übertragenen Stromnetzes neu geregelt, weshalb Swissgrid nachzahlen muss. Swissgrid spricht am Donnerstag von einer "vorläufigen" Entschädigung von 417,4 Mio CHF. Die Betriebskosten seien indes stabil geblieben.

EBIT STEIGT MIT HÖHEREM BETRIEBSNOTWENDIGEN VERMÖGEN

Der EBIT lag 2016 bei 158,0 Mio CHF und damit 3,0% höher. Diese Zunahme sei auf die per 4. Januar 2016 übernommenen Netzanlagen sowie die Investitionen in das Anlagevermögen zurückzuführen, was zu einem höheren betriebsnotwendigen Vermögen geführt habe, heisst es. Der EBIT von Swissgrid ist gesetzlich definiert und berechnet sich aus eben diesem betriebsnotwendigen Vermögen (Regulated Asset Base) und dem vom Bund definierten Kapitalkostensatz (WACC) zuzüglich Ertragssteuern.

Mit 91,9 Mio CHF resultierte ein um 4,4% höheres Unternehmensergebnis als im Vorjahr. Der Generalversammlung vom 2. Mai 2017 wird eine Gewinnausschüttung von 21,8 Mio beantragt.

Im laufenden Jahr dürfte derweil in etwa auf dem Niveau von 2016 in das Übertragungsnetz investiert werden. Das Unternehmensergebnis werde daher wegen des für 2017 tiefer liegenden WACC von 3,83% (2016: 4,70%) deutlich niedriger zu liegen kommen. Auch 2017 will Swissgrid die Effizienz steigern und die Kosten weiter senken.

Wie bereits bekannt, treten die Verwaltungsräte Doris Russi Schurter, Michael Wider sowie Andrew Walo an der kommenden GV zurück. Nachfolger sollen Regula Wallimann, Dominique Gachoud und Kerem Kern werden.

ys/cp

(AWP)