«Systemrelevanz kann Raiffeisen bremsen»

Die Systemrelevanz der Raiffeisengruppe wird den Markt der regional tätigen Banken wohl aufmischen. Der CEO der Luzerner Kantonalbank, Daniel Salzmann, äussert sich im cash-Video-Interview zum Konkurrenzkampf.
19.08.2014 14:43
Von Marc Forster
Daniel Salzmann, CEO Luzerner Kantonalbank im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Die Erstellung von Notfallplänen, wie sie für volkswirtschaftlich potenziell gefährliche Banken vorgeschrieben sind, wird die Raiffeisengruppe laut LUKB-CEO Daniel Salzmann stark beschäftigten. Dass sich die Raiffeisenbanken auf Geheiss der Nationalbank künftig dickere Reservepolster zulegen müssen, könnte den Konkurrenten am Markt bremsen: "Liquiditäts- und Eigenmittelanforderungen können Auswirkungen haben. Etwa die, dass das Expansionstempo gedrosselt wird", sagt Salzmann im cash-Video-Interview.

In der gesamten Schweiz kommen die Raiffeisenbanken, die in den letzten Jahren ihren Hypothekenbestand deutlich erhöht haben, im Geschäft mit Wohnkrediten mit 16 Prozent Marktanteil inzwischen direkt hinter beiden Grossbanken und damit vor den 24 Kantonalbanken. Im  Kanton Luzern sei die LUKB noch immer Marktführer, sagt Salzmann.

Die Nationalbank hat schon mehrmals gewarnt, dass der Häusermarkt in der Schweiz zu überhitzen drohe. Dies ist auch ein Grund, weshalb die Währungshüter die Raiffeisenbanken vergangene Woche als systemrelevant einstuften. Die UBS und die Credit Suisse gelten schon seit längerem als "Too Big to Fail". Seit Ende 2013 ist auch die Zürcher Kantonalbank so eingestuft.

LUKB empfiehlt Aktien

Derweil richtet sich die LUKB auch auf das Anlagegeschäft aus: Seinen Anlagekunden rät CEO Salzmann zum Kauf qualitativ hochwertiger Aktien. Längerfristig nicht benötigtes Kapital anzulegen sei nicht falsch. Die Entwicklung der vergangenen 18 Monate erlaube dies nach Ansicht des Zentralschweizer Staatsinstituts: "Die Indizes sind überall gestiegen." Die Alternative sei, das Geld auf dem Konto zu lassen, wo es kaum verzinst werde.

Die Performance der Wertpapiere hat im ersten Halbjahr trotz relativ hohen Liquiditätsbeständen bei den LUKB-Kunden den Kommissionserfolg steigen lassen. Auch der Hauptertragspfeiler, das Zinsgeschäft, warf mehr Ertrag ab. Unter dem Strich verdiente die LUKB in den ersten sechs Monaten mit 94,5 Mio. Fr. 7,2 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres.

Im Video-Interview äussert sich Daniel Salzmann auch zum US-Steuerstreit und zu den Rückstellungen der LUKB für aussergewöhnliche Rechtsfälle.