Tagesüberblick Wirtschaft-

Bern (awp/sda) - Montag, 26. September 2016
26.09.2016 17:28

IWF FÜR NEGATIVZINSEN: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Schweizer Wirtschaft auf einem guten Weg. Grundsätzlich empfehlen die IWF-Experten der Schweiz, ihren geld- und haushaltspolitischen Kurs weiterzuführen. Sie sehen aber auch Verbesserungspotential. Der IWF empfiehlt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im jährlichen Länderexamen, eine Verschärfung der Negativzinsen zu prüfen, wie IWF-Vertreterin Rachel van Elkan vor den Medien in Bern sagte. Derzeit will die SNB aber an ihrer Politik festhalten, wie Thomas Moser, stellvertretendes Mitglied des Direktoriums, sagte. Bei einer Veränderung der Situation werde die SNB aber eine Anpassung ihrer Politik prüfen.

ARYZTA IM GEGENWIND: Aryzta hat ein durchzogenes Geschäftsjahr hinter sich. Zwar konnte der Tiefkühlbackwarenhersteller die Verkäufe leicht steigern. Der Umsatz stieg um 1,5 Prozent auf 3,88 Milliarden Franken. Der bereinigte Reingewinn jedoch nahmen markant um 13,4 Prozent auf 311,5 Millionen Euro ab. Aryzta begründete dieses Absinken der Profitabilität je zur Hälfte mit höheren Ausgaben für die Markenwerbung und dem Rückgang der Volumen. Rückläufig waren dabei die Verkäufe vor allem in Nordamerika, wo Aryzta einerseits unter dem Auslaufen langlaufender Verträge gelitten hat. Andererseits sin die Umsätze in den USA und in Kanada auch wegen Devestitionen geschrumpft. Im Europa dagegen konnte Aryzta zulegen.

DIGITALISIERUNG ALS CHANCE: Nationalbank-Präsident Thomas Jordan zeigt sich aufgeschlossen gegenüber der Digitalisierung in der Finanzbranche. Für die Finanzdienstleister sieht er sie als Chance zur Effizienzsteigerung. Gleichzeitig warnt er vor Risiken. Der Wandel sei rasant und stelle viele bestehende Strukturen in Frage, sagte Jordan in seiner Rede an der Eröffnung der Sibos-Konferenz, dem internationalen Jahrestreffen der Finanzdienstleister, in Genf. Neue Technologien wie Distributed Ledger oder Blockchain müssten den Nachweis erst noch erbringen, dass sie ein besseres Verhältnis zwischen Sicherheit und Effizienz erzielen. Für die Notenbanken besteht laut Jordan die Herausforderung darin, die richtigen Regeln erlassen, um die Sicherheit von Finanzmarktinfrastrukturen ungeachtet des technologischen Wandels zu wahren.

BESSERE ARBEITSBEDINGUNGEN: Hunderttausende Mitarbeiterinnen von Textilfabriken in Entwicklungsländern profitieren von besseren Arbeitsbedingungen. Eine in Genf veröffentlichte Studie begrüsst die Anstrengungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der Weltbank. Das 2009 gestartete Programm "Better Work"ist in Bangladesch, Kambodscha, Indonesien, Vietnam, Jordanien, Haiti und Nicaragua aktiv. In diesen fünf Ländern habe das Programm zu Verbesserungen geführt, von denen rund drei Millionen Mitarbeiterinnen profitieren. Zu den den verbesserten Arbeitsbedingungen gehören kürzere Arbeitstage, höhere Löhne und weniger Missbrauch von Anstellungsverträgen auf Probe. Nach einer Laufzeit des Programms von drei Jahren hat sich der durchschnittliche Wochenlohn um sieben Dollar verbessert und die Anzahl der Wochenarbeitsstunden um 3,5 verringert. Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen verkleinerte sich deutlich. Zudem werden Gewerkschaften als Vermittler bei Problemen von Firmenchefs besser respektiert.

AUFGEHELLTE STIMMUNG: Trotz des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Firmen im September deutlich verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 109,5 Punkte von 106,3 Zählern im Vormonat, wie das Münchner Institut zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Zuvor hatte es zwei Rückgänge in Folge gegeben. Ökonomen hatten nur einen leichten Anstieg des wichtigsten Frühindikators für die Entwicklung der deutschen Konjunktur auf 106,4 Zähler erwartet. "Die deutsche Wirtschaft erwartet einen goldenen Herbst", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Unternehmenschefs beurteilten sowohl die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate günstiger als zuletzt als auch die Lage.

FÖRDERBESCHRÄNKUNG: Am Rande einer Energiekonferenz in der algerischen Hauptstadt Algier (26.-28.9.) treffen sich die Mitglieder des Opec-Kartells, um über Lösungen zur Anhebung des niedrigen Ölpreises zu diskutieren. Bei dem informellen Treffen stehen auch ein zeitweiser Förderstopp oder eine Förderbeschränkung im Raum. "Wir müssen einsehen, dass wir mit einem Preis pro Barrel Öl unter 50 US-Dollar mittel- und langfristig die Versorgung des Markts nicht sicherstellen können", sagte Algeriens Energieminister Noureddine Boutarfa im Vorfeld der Konferenz im algerischen Radio. Derzeit liegt der Durchschnittspreis laut Opec bei rund 43 US-Dollar. Die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) liefern weltweit etwa ein Drittel des Rohöls und besitzen rund drei Viertel der bekannten Reserven.

ABWANDERUNG: Gut drei Viertel der britischen Firmenchefs erwägt nach dem Brexit-Votum einer Umfrage zufolge die Verlagerung von Geschäftsteilen ins Ausland. 76 Prozent der 100 befragten Chefs von Unternehmen mit Umsätzen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Pfund denken darüber nach, den Firmensitz oder Teile des Betriebs aus Grossbritannien abzuziehen, wie aus einer Erhebung der Beratungsgesellschaft KPMG hervorgeht. Zwar beurteilten 86 Prozent die Aussichten ihres Unternehmens und 69 Prozent die Aussichten für die britische Konjunktur positiv. Die Firmenchefs bereiteten aber wegen der Unsicherheit nach dem Votum für einen britischen EU-Austritt auch Notfallpläne vor.

VERNETZT: Der Kartendienst Here der Autobauer Audi, BMW und Daimler will vernetzte Fahrzeuge Daten ihrer Sensoren austauschen lassen. Dabei geht es unter anderem um Informationen zu Verkehrsfluss und Staus, Unfallstellen und Glatteis sowie Strassenschildern, wie das Unternehmen ankündigte. Der Service soll im ersten Halbjahr kommenden Jahres zunächst mit Daten von Audi, BMW und Mercedes-Benz an den Start gehen. Die Informationen würden anonymisiert ausgewertet, hiess es. Die drei deutschen Autokonzerne hatten Here im vergangenen Jahr für rund 2,6 Milliarden Euro dem Telekom-Ausrüster Nokia abgekauft, um eine eigene Plattform für ortsbezogene Dienste und präzise Karten für künftige selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln.

SCHRUMPFKURS: Die angeschlagene Fluggesellschaft Airberlin will einem Zeitungsbericht zufolge kräftig schrumpfen. Am Ende sollten wahrscheinlich nur noch halb so viele Flugzeuge betrieben werden wie derzeit, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Auch die Zahl der Arbeitsplätze in der Verwaltung solle halbiert werden, hiess es weiter in der Zeitung. Deshalb wolle sich das Unternehmen in den kommenden Monaten voraussichtlich von etwa tausend seiner insgesamt 8600 Mitarbeiter trennen. Airberlin-Hauptaktionär Etihad Airways verhandelt den Angaben zufolge derzeit mit dem Touristikkonzern Tui darüber, Teile von Deutschlands zweitgrösster Fluggesellschaft mit Tuifly zusammenzulegen und in einer eigenen Ferienfluggesellschaft fortzuführen.

SINKFLUG: Die Aktie der Deutschen Bank ist am Montag auf ein neues Rekordtief von 10,68 Euro gestürzt. Damit ist Deutschlands grösste Bank an der Börse noch knapp 16 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Umgerechnet gut zwölf Milliarden Euro hat das US-Justizministerium als Strafe für unsaubere Geschäfte auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vor der Finanzkrise aufgerufen. Die Bank geht zwar fest davon aus, die Summe - die die Rückstellungen deutlich übersteigt - im Verhandlungspoker noch drücken zu können. Doch viele Investoren haben offenbar Zweifel, was die Widerstandsfähigkeit der Bank insgesamt angeht. Denn der US-Hypothekenstreit ist nur eine von mehreren grossen Rechtsstreitigkeiten. Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank im Moment wegen ihres Umbaus kaum Geld verdient und die Kapitaldecke ohnehin vergleichsweise dünn ist.

(AWP)