Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 11. Juli 2017
11.07.2017 17:49

In sechstem Überblick "Swiss-GAV" korrigiert: Klühr erwartet Lösung in den nächsten Monaten statt Ende Jahr.

Bern (awp/sda) - SGB FORDERT MEHR LOHN: (Bern) In den kommenden Wochen beginnen die Arbeitgeber und Gewerkschaften mit den Lohnverhandlungen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert generelle Lohnerhöhungen von 1,5 bis zwei Prozent. Denn die Schweizer Wirtschaft entwickelt sich laut SGB gut und auch die Teuerung werde in den Verhandlungsmonaten im positiven Bereich liegen. Der wirtschaftliche Aufschwung müsse den Arbeitnehmenden gehören. In den letzten 20 Jahren hätten vor allem Manager und Topverdiener von den Produktivitätsgewinnen profitiert. Die Löhne der normalen Angestellten seien von den steigenden Krankenkassenprämien "gleich wieder aufgefressen" worden. Besonders die Frauen sollen mehr Lohn erhalten. Sie verdienen laut SGB pro Jahr im Schnitt 7000 Franken weniger als die Männer.

UNTERSTÜTZUNG ZUGESAGT: (Astana) Bundesrat Ueli Maurer hat bei seinen Arbeitsbesuchen in Tadschikistan, Kirgistan und Kasachstan diesen Länder Hilfe angeboten, sollte China das Seidenstrasse-Projekt tatsächlich umsetzen. Das Projekt war 2013 von China ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, die historische Seidenstrasse in neuer Form wieder aufleben zu lassen. Die Initiative ist ein gigantisches Infrastrukturprojekt, an dem die besuchten zentralasiatischen Länder grosses Interesse haben. Konkret will die Schweiz diese Ländern bei der Finanzierung und der finanziellen Absicherung der Projekte unterstützen.

JSA AUF RUSSLANDREISE: (Bern/Moskau) Bundesrat Johann Schneider-Amman hat auf seiner Russland-Reise Kontakte auf Ministerebene gepflegt und für die Anliegen der Schweizer Wirtschaft geweibelt. Begleitet wurde er von Wirtschaftsvertretern. Trotz aktuell bescheidenen Handelszahlen betrachteten Schweizer Unternehmen Russland als einen Markt mit bedeutendem Wachstumspotenzial, teilte Schneider-Ammanns Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) mit. Einige waren sich Schweizer und Russen in der Bedeutung der Digitalisierung für die Wirtschaft von morgen. Die Schweizer Wirtschaftsvertreter beklagten aber Probleme beim Marktzugang. Auch der Konflikt mit der Ukraine wurde angesprochen. Mit der Reise wurde ein wegen dem Ukraine-Konflikt abgesagter Besuch 2014 nachgeholt.

UNTERSUCHUNG EINGELEITET: (Bern) Die Wettbewerbskommission (WEKO) hat eine Untersuchung gegen den deutschen Kofferhersteller Rimowa eröffnet. In der Untersuchung wird geprüft, ob Rimowa früher in unzulässiger Weise den Parallel- und den Direktimport in die Schweiz behindert hat. Anlass für die Untersuchung sind Anhaltspunkte, dass Rimowa in der Vergangenheit mittels eines Exportverbotes in den Verträgen mit ausländischen Vertriebspartnern den Import seiner Produkte in die Schweiz beschränkt hat. Rimowa hat in der Zwischenzeit die jetzt untersuchten Vertragsbestimmungen korrigiert.

STREIK GEHT WEITER: (Bellinzona) Die 34 per Ende des Jahres entlassenen Fährleute auf dem Lago Maggiore haben ihren Streik nun auch nach Bellinzona getragen. Sie zogen in einem Protestzug vom Bahnhof zum Regierungsgebäude. Dort reichten sie eine Solidaritäts-Petition ein. An dem Streik mitten durch die Tessiner Kantonshauptstadt hätten "250 bis 300 Personen" teilgenommen, wie die Gewerkschaft OCST auf Anfrage mitteilte. Die Petition wurde laut Angaben der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV von 13'451 Personen unterzeichnet. Die 34 entlassenen Fährleute für das Schweizer Becken des Lago Maggiore befinden sich mittlerweile seit 17 Tagen im Streik.

SWISS-GAV: (Zürich) Swiss-Chef Thomas Klühr ist zuversichtlich, in den nächsten Monaten mit der Pilotengewerkschaft eine Lösung für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zu erzielen. Der Pilotenverband Aeropers Airline Pilots Association hatte letzten Monat die GAV-Verhandlungen mit der Swiss-Führung abgebrochen. Swiss-Konzernchef Thomas Klühr sagte, die Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft seien schwierig, aber konstruktiv. "Ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir in den nächsten Monaten eine Lösung finden werden", betonte Klühr. Die Lufthansa Gruppe wolle zudem den Markt aus Genf weiter bedienen. Klühr sieht Swiss als die beste Lösung. Ende 2018 wolle er in Genf nach wie vor schwarze Zahlen schreiben. Noch sei nicht entschieden, ob auf Kurzstrecken-Flügen der Economy-Klasse aus Genf die Verpflegung kostenpflichtig werde. "Es ist derzeit kein Thema, die Bezahlung für die Verpflegung auf anderen Kurzstrecken einzuführen", führte Klühr aus.

STRATEGISCHE KOOPERATION: (Frauenfeld) Zur Rose und Medbase arbeiten künftig zusammen. Im Rahmen einer strategischen Kooperation wollen die Versandapotheke und der Dienstleister in der ambulanten medizinischen Grundversorgung ihre medizinischen und pharmazeutischen Kompetenzen vereinigen. Künftig beliefert Zur Rose alle Medbase-Zentren exklusiv mit Arzneimitteln. Zusätzlich wollen die beiden Partner eine Online-Plattform lancieren, auf der sie etwa Beiträge zu medizinischen und therapeutischen Themen publizieren. Die Medbase-Gruppe ist eine Tochter der Migros und betreut nach eigenen Angaben rund 450'000 Patienten mit 1,8 Millionen Konsultationen pro Jahr. Die Ärztegrossistin und Online-Apotheke Zur Rose ist eine Tochtergesellschaft der Schweizer Zur Rose Gruppe. Seit dem 6. Juli 2017 werden ihre Aktien an der Schweizer Börse gehandelt.

ENGAGEMENT FÜR FRAUEN: (Zürich) Die Grossbank UBS untermauert ihr Engagement für die Frauen mit der Gründung eines weiblichen Beirats. Darin sitzen Unternehmerinnen, Investorinnen und Philantrophinnen. Teil des 9-köpfigen Gremiums, das bei der Vermögensverwaltung (Wealth Management) angesiedelt ist, sind beispielsweise die russische Tennisspielerin Maria Sharapova sowie Ellen Ringier, Präsidentin der Stiftung Elternsein. Die UBS gab die Gründung des Frauengremiums in einer Mitteilung bekannt. Einerseits will die UBS innerhalb der Bank den Anteil weiblicher Führungskräfte erhöhen. Anderseits sollen die Anlagebedürfnisse von Frauen in der Beratung besser abgedeckt werden. Das neu gegründete Frauengremium, welches sich Ende Juni bereits zum ersten Mal getroffen hat, wird das UBS-Frauenprogramm begleiten und beaufsichtigen.

ANTEIL ERHÖHT: (Zürich) Jean-Paul und Martine Clozel haben in den letzten zwei Wochen beim Börsenneuling Idorsia weiter zugegriffen. Seit dem 4. Juli liegt die Beteiligung des Ehepaars an der Abspaltung der von Johnson & Johnson übernommenen Actelion bei 25,95 Prozent, wie aus einer Beteiligungsmeldung an die Schweizer Börse hervorgeht. Am 21. Juni hatte die Beteiligung noch bei 22,84 Prozent gelegen. Seit Ende Juni hat die Börse verschiedene Zukäufe mit hohen Volumen verzeichnet, die sich auf fast 71 Millionen Franken summierten. Wie deshalb Marktteilnehmer bereits gemutmasst hatten, waren es nun erneut die Clozels, die zukauften. Jean-Paul Clozel hatte das Baselbieter Biotechnologieunternehmen Actelion zusammen mit seiner Frau Martine innerhalb von 20 Jahren zu einem Pharmakonzern aufgebaut. Im Januar verkaufte er das Unternehmen für 30 Milliarden Dollar an den US-Gesundheitskonzern Johnson & Johnson.

ÜBERNAHME I: (Genf) Der Genfer Aromen- und Riechstoffkonzern Givaudan übernimmt den niederländischen Anbieter von Nahrungsingredienzen Vika B.V. mit weltweit über 200 Mitarbeitenden. Die Übernahme soll Givaudan bei der Entwicklung neuer Geschmackslösungen im Segment natürlicher Aromen helfen. Der Abschluss der Transaktion ist für die zweite Hälfte 2017 vorgesehen, wie Givaudan mitteilte. Die Kaufbedingungen wurden nicht offengelegt. Im Geschäftsergebnis 2016 von Givaudan hätte sich der Umsatzbeitrag von Vika auf rund 64 Millionen Euro niedergeschlagen. Givaudan will die Transaktion mit eigenen verfügbaren Mitteln finanzieren. Vika hat Standorte in den Niederlanden sowie in Belgien, Grossbritannien und Neuseeland.

ÜBERNAHME II: (Zürich) Der Handels- und Dienstleistungskonzern DKSH baut seine Marktpräsenz in Indonesien aus, dem bevölkerungsreichsten Land Südostasiens. Noch im Juli übernimmt DKSH eine Mehrheit von 60 bis 65 Prozent an der PT Wicaksana mit Sitz in Jakarta PT Wicaksana ist ein Distributor von Konsumgütern und Pharma-Produkten in dem asiatischen Land. Einen Kaufpreis nennt DKSH in seiner Mitteilung nicht. PT Wicaksana ist seit 1994 an der Indonesischen Börse kotiert. Mit 32 Verteilzentren in den wichtigsten Städten in Indonesien und rund 870 Mitarbeitenden hat das Unternehmen 2016 einen Nettoumsatz von über 60 Millionen Franken erwirtschaftet. Damit schaffe DKSH den Markteintritt für Konsumgüter und Pharma-Produkte in Indonesien, heisst es weiter.

ÜBERNAHME III: (Zürich) Der digitale Hypothekenvermittler MoneyPark bringt sich mit einer Übernahme in der Westschweiz vorwärts: Durch die Übernahme des Hypothekenberaters DL gewinnt MoneyPark fünf neue Standorte in der Romandie sowie 45 neue Angestellte. Neu beschäftigt MoneyPark damit über 130 Mitarbeitende und verwaltet einen Hypothekarbestand von über 8 Milliarden Franken. Mehr als 2 Milliarden an Hypothekarkrediten vermitteln die beiden Institute zusammen jährlich. Alle Mitarbeitenden von DL (Defferrard & Lanz SA) werden übernommen. Auch die Gründer von DL bleiben an Bord.Zum Kaufpreis machen die Unternehmen in einer Mitteilung keine Angaben. Finanziert wurde die Übernahme von MoneyPark-Besitzerin Helvetia. In einer gesonderten Mitteilung erklärt Helvetia, die unabhängige Weiterentwicklung von MoneyPark beizubehalten.

JOINT-VENTURE: (Paris) Nestlé Health Science und das Französische Unternehmen Enterome gründen Joint Venture unter dem Namen Microbiome Diagnostics Partners (MDP). Das Unternehmen soll sich auf die Entwicklung von Diagnoseverfahren auf Basis von Mikrobiomen für Krankheiten wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED; englisch inflammatory bowel disease, IBD) und Lebererkrankungen spezialisieren, wie die Unternehmen mitteilen. An dem Joint-Venture sind beide Unternehmen je hälftig beteiligt. Dabei bringt Enterome ihr Programm von Mikrobiom-Diagnoseverfahren inklusive ihres geistigen Eigentums ein. Nestlé Health Science steuert mit der Tochter Prometheus Laboratories Expertise in der Diagnose-Forschung und Kommerzialisierung bei.

ANTEIL ERHÖHT: (Gütersloh) Der Bertelsmann-Konzern aus dem deutschen Gütersloh vergrössert seinen Anteil am grössten Publikumsverlag der Welt, der Gruppe Penguin Random House. Bertelsmann übernehme vom britischen Pearson-Verlag weitere 22 Prozent und erreiche damit die "strategische Dreiviertel-Mehrheit" , wie das Unternehmen mitteilte. Penguin Random House war im Juli 2013 entstanden, als Bertelsmann und Pearson ihre Buchverlage zusammenlegten. Bertelsmann hielt mit bislang 53 Prozent bereits die Mehrheit. Zu den Bestsellern der Gruppe gehören "50 Shades of Grey", "The Girl on the Train" oder die "Game of Thrones"-Reihe. Bertelsmann ist ein Medien- und Dienstleistungsunternehmen. Dazu gehören die Fernsehgruppe RTL, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, das Musikunternehmen BMG oder der Dienstleister Arvato. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 17 Milliarden Euro.

WEITERE STREIKS: (Leipzig) Beim Internet-Versandhändler Amazon ist das Ringen um einen Tarifvertrag in Deutschland mit weiteren Streiks in eine neue Runde gegangen. Mitarbeiter von Amazon in Leipzig, Graben bei Augsburg, im osthessischen Bad Hersfeld sowie in Rheinberg und Werne (beide Nordrhein-Westfalen) legten nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Arbeit nieder. In Leipzig rechnete Verdi in Früh-, Mittel- und Spätschicht mit 400 Teilnehmern, wie Streikleiter Thomas Schneider mitteilte. Amazon hingegen teilte mit, es beteiligte sich nur ein geringer Teil der Mitarbeiter daran. Die Gewerkschaft fordert von Amazon, die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel zu bezahlen.

STÄRKSTES HALBJAHR: (Stuttgart) Getragen von einer wieder stärker gewachsenen Nachfrage vor allem aus China hat der Autobauer Porsche seine Verkaufszahlen weiter gesteigert. Im ersten Halbjahr 2017 stieg der Absatz um insgesamt sieben Prozent auf knapp 126'500 ausgelieferte Fahrzeuge. Das teilte Porsche in Stuttgart mit. Damit habe das Unternehmen das stärkste erste Halbjahr der Unternehmensgeschichte verbucht. Allein nach China, grösster Einzelmarkt für Porsche, gingen knapp 35'900 Autos. Das war ein Plus von 18 Prozent. In den USA legte der Absatz um drei Prozent zu. Insgesamt am häufigsten verkauft wurde der kleine Geländewagen Macan - vor dem grösseren Cayenne. Den stärksten Zuwachs hingegen verbuchte der viertürige Panamera.

HÖHERES US-ENGAGEMENT: (Peking) Der chinesische Staatsfonds China Investment Corp (CIC) will nach einem Gewinnanstieg mehr Geld in den USA investieren. Über das neu gegründete Büro in New York soll nach lukrativen Anlagemöglichkeiten Ausschau gehalten werden, sagte Liu Fangyu der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu gehörten auch Investitionen in die Infrastruktur und in Immobilien. Bislang landen etwa 42 Prozent der in Übersee angelegten Gelder in den Vereinigten Staaten. "Wir haben das US-Büro mit dem Mandat aufgebaut, die Möglichkeiten auszuloten und enge Beziehungen mit lokalen Partnern zu knüpfen", sagte Liu. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump schwieriger geworden. CIC steigerte den Gewinn 2016 um knapp zwei Prozent auf 75,3 Milliarden Dollar.

SCHWACHES WACHSTUM: (Peking) Die Lage auf dem chinesischen Automarkt hat sich im Juni weiter gebessert. Das Wachstumstempo bleibt aber auf vergleichsweise niedrigem Niveau. In dem Monat sei die Zahl der verkauften Wagen um 4,6 Prozent auf 1,78 Millionen Stück gestiegen, teilte der Branchenverband Passenger Car Association (PCA) in Peking mit. Im Mai war der Autoabsatz um 1,2 Prozent gestiegen, nach einem Rückgang im April. Trotz der Erholung des Absatzes im Mai und Juni ging die Zahl der verkauften Autos im ersten Halbjahr laut PCA-Daten leicht zurück. In den ersten sechs Monaten des Jahres sei der Absatz um 0,2 Prozent auf 10,8 Millionen Stück gefallen. 2016 war der Autoabsatz in dem Land um knapp 16 Prozent auf 23,9 Millionen Stück gestiegen. Der deutlich höhere Wert war unter anderem eine Folge der gesenkten Mehrwertsteuer für Autos mit kleinerem Hubraum im Herbst 2015.

TIERISCH VERSPÄTET: (Prag) Ein auf die Rollbahn gelaufenes Wildschwein hat am Flughafen der tschechischen Hauptstadt Prag für Wirbel gesorgt. Eine Passagiermaschine der russischen Fluggesellschaft Aeroflot konnte am Montag nach Flughafenangaben erst mit einer Verspätung von 20 Minuten starten. Das Tier war in den abgesperrten Bereich des Flughafens vorgedrungen. Für das Wildschwein endete der Ausflug auf die Rollbahn tödlich. Nachdem es der Polizei nicht gelang, das Tier zu verscheuchen, wurde es erschossen. Wachsende Wildschweinpopulationen stellen die tschechischen Behörden immer wieder vor Probleme. Regelmässig kommt es zu Verwüstungen auf Feldern und Angriffe auf Hunde. Eine Wildschweinbegegnung am Flughafen gab es nach Polizeiangaben bislang allerdings noch nie.

(AWP)