Terror bedroht auch Wirtschaftsentwicklung

Falls Europa nach den Terroranschlägen in Paris nicht hart bleibt, dann drohen auch wirtschaftliche Rückschläge, warnt Richard C. Schneider, ARD-Chefkorrespondent und Büroleiter in Tel Aviv, im cash-Video-Interview.
16.01.2015 14:51
Von Daniel Hügli, Interlaken
ARD-Chef Korrespondent Richard C. Schneider lebt seit zehn Jahren in Tel Aviv.
Bild: cash

Frankreich und Europa steht noch immer unter dem Schreck der Terroranschlägen von letzter Woche. Was bleibt, ist die Angst vor weiteren Anschlägen. In Frankreich bleibt wegen der unveränderten Sicherheitslage die höchste Terrorwarnstufe in Kraft.

Die Gefahr eines generell zunehmenden Terrorismus in Europa ist laut Richrad C. Schneider "sehr gross. Und sie ist viel grösser, als uns dies die Politiker weis machen wollen". Schneider ist ARD-Chefkorrespondent und Büroleiter in der israelischen Metropole Tel Aviv. Er nahm am Mittwoch als Redner und Podiumsdiskussionsgast am 13. Alpensymposium in Interlaken teil.

Die Gründe für einen möglicherweise zunehmenden Terrorimus sieht Schneider auch in einer gescheiterten Integrationspolitik. "Der Zugriff von Islamisten aus der Region, in der wir arbeiten, wird vor allem auf arbeitslose und junge europäische Muslime immer grösser und stärker, " so Schneider im cash-Video-Interview.

Härte zeigen

Europa müssen gegen den Terror und radikale Islamisten Härte zeigen. "Europa sollte nicht nachgeben und auch nicht die eigenen Werte aufgeben. Und die grossen muslimischen Organisationen in Europa müssen aufgefordert werden, Farbe zu bekennen gegen den Terror. Das geschieht auch bereits."

Rund eine Woche nach den Anschlägen von Paris sind am Donnerstagabend bei einem Anti-Terror-Einsatz im Osten Belgiens zwei mutmasslich radikale Islamisten von der Polizei erschossen worden. Nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft haben sie Anschläge im grossen Stil geplant.

Europäische Länder haben verschiedene Massnahmen zur Terrorbekämpfung eingeleitet. So hat die französische Regierung hat eine Kampagne gegen Hassreden, Antisemitismus und die Verherrlichung von Terrorismus gestartet. Zum Schutz vor Terroranschlägen wurden zudem 10'000 Soldaten mobilisiert.

Deutschland will noch im Januar Pläne für schärfere Sicherheitsgesetze vorlegen. Damit sollen gewaltbereite Islamisten durch den Entzug des Personalausweises daran gehindert werden, in Kampfgebiete wie Syrien und den Irak auszureisen. Allein die Absicht, an Terrorcamps teilzunehmen, soll unter Strafe gestellt werden, ebenso die finanzielle Unterstützung von Terrorismus.

Beträchtliche Schäden

Solche und andere Massnahmen sind laut Schneider notwendig, denn bei zunehmendem Terror drohen auch negative wirtschaftliche Konsequenzen: "Wenn die Europäer nachgeben und mit ihrer Sicherheitspolitik nicht entsprechend agieren, wird Europa auch als Investmentregion für das Ausland immer unsicherer und schwieriger. Da wird sich das Ausland fragen: Sollen wir da investieren, oder sollen wir nicht lieber nach Asien gehen?"

Terrorismus wirkt sich über eine Senkung ausländischer Ressourcenzuflüsse, erhöhte Unsicherheit und eine damit einhergehende Verzerrung der Ressourcenallokation im Inland negativ auf die Wirtschaft aus. Darüber hinaus entstehen indirekte Kosten als Folge von Sicherheitsmassnahmen. Die wirtschaftlichen Schäden können somit beträchtlich sein. Das schrieb Prof. Bruno S. Frey schon im Jahr 2005 in einem Beitrag für das Magazin "Die Volkswirtschaft".

Für Israel konnte laut einer Studie bezogen auf die Jahre 1990–1993 gezeigt werden, dass ohne den Gewaltausbruch nach dem Scheitern des Friedensprozesses im Jahre 2000 der wichtigste Tel Aviver Aktienindex im Jahre 2003 um etwa 35 Prozent höher notiert hätte.

Im cash-Video-Interview äussert sich Richard C. Schneider dazu, wo und wie er die Paris-Attentate erlebt hat und wie man in Tel Aviv mit der latenten Terrorgefahr lebt.