Thomas Jordan: «Die SNB-Geldpolitik hat sich bewährt»

Die Schweizerische Nationalbank hält an ihrem expansiven geldpolitischen Kurs fest und will den Franken weiterhin mit Negativzinsen schwächen.
15.12.2016 11:22
Von Daniel Hügli, Bern
Thomas Jordan, SNB.
Thomas Jordan, SNB.
Bild: cash

Die Leitzinsen in der Schweiz bleiben bei minus 0,75 Prozent. Das gab die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag anlässlich ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung bekannt. Der Entscheid war im Markt so erwartet worden. Seit Januar 2015 müssen Finanzinstitute ab einem gewissen Betrag einen Strafzins von 0,75 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der SNB lagern. 

Gleichzeitig ist die SNB bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv, wie SNB-Präsident Thomas Jordan an einer Medienorientierung in Bern sagte, auch weil "der Franken weiterhin deutlich überbewertet" bleibt. Der Franken steht nach der Bekanntgabe des Zinsentscheides zum Euro kaum verändert bei 1,0740. Auch der Dollar wurde mit 1,0242 Franken nahezu unverändert gehandelt. An der Schweizer Börse fiel die Reaktion ebenfalls sehr gering aus. 

Der Franken hatte sich letzte Woche gegen den Euro aufgewertet, nachdem die Europäische Zentralbank bekannt gegeben hatte, dass sie ihr Kaufprogramm für Anleihen von zuletzt mindestens März auf mindestens Dezember 2017 verlängern will. Gleichzeitig beliess die EZB den Leitzins auf einem Rekordtief von 0 Prozent.

Die SNB will mit der Leitzinsdifferenz von 75 Basispunkten zum Euroraum dafür sorgen, dass der Schweizer Franken zum Euro als Anlagewährung unattraktiv ist. Ein starker Franken belastet seit Jahren die Schweizer Exportwirtschaft und den Tourismus. 

Mit Blick auf das letzte Halbjahr stellt Jordan fest, dass sich die "Geldpolitik der SNB bewährt" habe. Der Negativzins vermindere die Attraktivität von Frankenanlagen, und die Interventionsbereitschaft wirke in Phasen erhöhter Volatilität stabilisierend auf den Wechselkurs.

Ausblick auf die Wirtschaft

Bezüglich Wachstum bleibt die SNB bei ihrer Prognose und erwartet für 2016 weiterhin ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukte (BIP) von "rund 1,5 Prozent". Erstmals prognostiziert die SNB auch das Wachstum für 2017 und erwartet dabei ebenfalls "rund 1,5 Prozent". Aufgrund der internationalen Risiken sei die Prognose für die Schweiz weiterhin von bedeutenden Unsicherheiten gekennzeichnet, so die SNB.

"Die Schweizer Wirtschaft wird auch im nächsten Jahr grossen Herausforderungen gegenüber stehen", sagte Jordan. Mehrere Branchen seien im Wandel. Jordan meint etwa den Detailhandel, den Finanzsektor und die Industrie.

Die Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber September nur leicht verändert. Für 2016 wird die Inflation unverändert bei -0,4 Prozent gesehen, für 2017 bei +0,1 Prozent (bisher: +0,2 Prozent) und für 2018 bei +0,5 Prozent (bisher: +0,6 Prozent). Die bedingte Inflationsprognose beruht wie immer auf der Annahme, dass der Dreimonats-Libor über den gesamten Prognosezeitraum unverändert bleibt.

Wie üblich äussert sich die SNB auch zu Hypothekenmarkt. Die Ungleichgewichte seien immer noch ähnlich hoch wie im Jahr 2014, als der sektorielle antizyklische Kapitalpuffer auf 2 Prozent festgelegt worden sei, heisst es dazu. Die Nationalbank beobachtet die Entwicklungen auf diesen Märkten weiterhin aufmerksam und prüfe regelmässig, ob der Kapitalpuffer angepasst werden müsse.

Insgesamt stellt sich die SNB nach den Marktturbulenzen durch das Brexit-Votum und die US-Präsidentschaftswahlen auch auf im kommenden Jahr auf Herausforderungen ein. Es gebe zahlreiche politische Unsicherheiten - etwa die künftige Wirtschaftspolitik der USA, Wahlen in der Euro-Zone und die Austrittsverhandlungen Großbritanniens mit der EU, so Jordan in Bern. Trotz des Anstiegs der Renditen an den Kapitalmärkten in den letzten Monaten will Jordan noch nicht von einer Trendwende an den Märkten sprechen. 

(Mit Material von Reuters und AWP)