Thomas Jordan im Video-Interview - SNB-Präsident: «Druck spielt keine Rolle für uns»

SNB-Präsident Thomas Jordan betont im cash-Video-Interview, dass die Zentralbank unbeirrbar an ihrem Kurs festhalten will. Doch das nächste Jahr könnte zur Nagelprobe werden für die Währungshüter.
14.12.2017 16:23
Von Daniel Hügli, Bern
Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, im Interview mit cash in Bern.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank belässt den Negativzins bei minus 0,75 Prozent, wie am Donnerstagmorgen bekannt wurde. So weit, so gut. Doch gerade Vertreter aus der Finanzwirtschaft sind geneigt zu sagen: So weit, so schlecht. Denn die Strafzinsen nagen am Zinsdifferenzgeschäft der Banken und schmälern die Erträge von Versicherern und Pensionskassen. 

Die Negativzinsen in der Schweiz könnten aber gerade 2018 - drei Jahre nach deren Einführung - stärker in die Kritik kommen und der Druck auf die SNB von Seiten Finanzwirtschaft und Politik zunehmen. Das wirtschaftliche Umfeld auch in der Schweiz hellt sich schliesslich immer mehr auf, die Exportwirtschaft profitiert von der konjunkturellen Erholung im Euroraum.

"Der Druck spielt für uns keine Rolle", gibt sich Thomas Jordan im cash-Video-Interview am Rande einer Medienorientierung in Bern unbeirrt. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank erinnert gleichzeitig an den Leistungsauftrag der SNB. "Wir müssen Preisstabilität herstellen unter Berücksichtigung der Konjunktur. Auf absehbare Zeit ist es daher wichtig, dass wir mit unserer Geldpolitik weiterfahren." 

Dennoch: Die Markterwartungen weltweit für weitere Zinserhöhungen nehmen parallell zur gut laufenden Konjunktur zu. Die norwegische Notenbank signalisierte etwa am Donnerstag eine frühere Zinsanhebung, als allgemein erwartet worden war. Weiter im Zinszyklus sind die USA: Am Mittwoch hatte die US-Notenbank Fed wie erwartet ihren Leitzins zum dritten Mal im laufenden Jahr angehoben und auch für kommendes Jahr drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt.

Erhöhte Kritik am geldpolitischen Kurs der SNB könnte es insbesondere geben, wenn die Inflation stärker als erwartet anzöge. Die SNB hat am Donnerstag ihre Inflationsprognose für 2018 bereits von 0,4 auf 0,7 Prozent erhöht. Oder dann, wenn sich der Franken gegen den Euro weiter abschwächte.

«Die Abwertung ist sehr gut»

Jordan sieht derzeit aber keinen Grund, von seiner bisherigen Einschätzung des Frankens abzuweichen. "Wenn man die Kaufkraftparität und andere Bewertungsmodelle heranzieht, dann sieht man, dass  der Franken nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch insgesamt hoch bewertet ist", sagt Jordan zu cash.

Längerfristig sollte sich der Wechselkurs eines Landes oder eines Währungsraumes um die Kauftkraftparität bewegen. Ökonomen vergleichen dazu Warenkörbe und Dienstleistungen in diesen Räumen. Kauftkraftparität hilft ihnen zu beurteilen, ob eine Währung über- oder unterbewertet ist.  Derzeit notiert das Währungspaar Euro/Franken bei 1,17, das ist nahe an einem Dreijahreshoch und auch immer näher am Mittelwert der Kaufkraftparität zwischen Euro und Franken. Dieser wird bei 1,23 Franken berechnet.

Der Franken schwächte sich Ende Juli und Anfang August gegen den Euro von etwa 1,09 auf 1,15 Franken schlagartig ab. Jordan begründet diese Bewegung mit der besseren laufenden Konjunktur im Euroraum und mit dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich. "Die Situation ist sicher besser als in der Vergangenheit", sagt Jordan. "Die Abschwächung des Frankens ist sehr gut und unterstützt die Wirtschaft."

Die meisten Schweizer Währungsstartegen gehen davon aus, dass der Franken sein Abwertungspotenzial gegen den Euro ausgeschöpft hat. Anders sehen das einige ausländische Devisenexperten. Die Deutsche Bank prognostiziert einen Wechselkurs von 1,25 bis Ende 2018, Morgan Stanley geht gar von einem Euro-Franken-Kurs von 1,28 Franken bis Mitte 2018 aus. Tritt dies ein, dann wäre der Franken nicht mehr hoch bewertet - und dann hätte die SNB tatsächlich ein Argument weniger für die Aufrechterhaltung von Negativzinsen.

Im cash-Video-Interview äussert sich Thomas Jordan auch zur Entwicklung von Kryptowährungen wie Bitcoin. 

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