cash-talk

Thomas Mayer - «Dann könnte es zu einer schärferen Korrektur kommen»

Thomas Mayer, Ex-Chefökonom der Deutschen Bank, ist bekannt für seine scharfen Analysen. Auf kurze Sicht werden sich die Börsen durchaus halten. Dann könnten aber dunkle Wolken aufziehen, wie er im cash-Talk erklärt.
01.03.2018 23:00
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Thomas Mayer, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute, im cash-Interview am Institutional Money Kongress in Frankfurt.
Bild: cash

Thomas Mayer ist selten um deutliche Aussagen verlegen. "Die nächste Krise ist nicht fern", lautete etwa der Titel seiner wöchentlichen Kolumne in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Ende Januar - kurz bevor es ein paar Tage später an den Börsen dann tatsächlich so richtig ungemütlich wurde. Das war natürlich Zufall, und mit seiner Kolumne meinte er auch nicht primär kurzfristige Verwerfungen an den Börsen.

Für die ist Mayer, der von 2010 bis Mitte 2012 Chefökonom der Deutschen Bank war und heute das Research Insitute des Vermögensverwalters Flossbach von Storch leitet, auf kürzere Sicht gar nicht mal so pessimistisch eingestellt. "Die Märkte stellen sich jetzt darauf ein, dass es wieder Wirtschaftswachstum gibt zusammen mit Zinserhöhungen", sagt Mayer im cash-Talk am Institutional Money Kongress in Frankfurt diese Woche. 

Allerdings stellen sich die Märkte laut Mayer auch darauf ein, dass mit anziehenden Zinsen eine weitere Steigerung der Aktienpreise und eine Ausweitung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse nun weniger wahrscheinlich werden. "Aktienkurse können jetzt wirklich nur noch steigen, wenn es positive Überraschungen bei Profiten gibt." Anleger müssen in nächster Zeit daher eher mit einer Art "Sägezahn-Seitwärtsbewegung" rechnen, wie Mayer es formuliert.

Mit den volatilen Phasen an den Börsen haben die Anleger in den letzten Wochen bereits einige Erfahrungen sammlen können. Nach dem Absturz Anfang Januar hangelte sich der Swiss Market Index mühevoll um vier Prozent nach oben, diese Woche gab er wieder um über 2 Prozent nach. Mit einem Minus von rund vier Prozent war der Februar der schwächste Börsenmonat seit zwei Jahren.

"Dann wirds echt spannend"

Laut Mayer, der in den 1980er Jahren in verschiedenen Funktionen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington tätig war, könnte eine Korrektur wie vor Wochen vielleicht nochmals erfolgen. "Aber solange es  darum geht, dass sich die Märkte auf eine Welt einstellen, in der höheres Wachstum mit höheren Zinsen einhergeht, wird es nicht wirklich zu einer stärkeren Abwärtsbewegung am Markt kommen", ist Mayer überzeugt.

Auf was sich die Anleger aber einstellen sollten: Irgendwann, "und wir wissen nicht genau wann", werde das höhere Wachstum begleitet durch eine höhere Inflation. "Dann wirds echt spannend", sagt Mayer. Dann fürchten die Märkte nämlich, dass die Zentralbanken - allen voran die Federal Reserve - die Zinsen stärken anheben als das Wachstum, um die Inflation zurückzuführen. "Und dann kommt es nicht nur zu zehnprozentigen Marktkorrekturen, dann könnten wir eine deutlich schärfere Korrektur nach unten sehen", ist Mayer überzeugt.

In der Vergangenheit konnten sich die Märkte in solchen Phasen regelmässig auf die Zentralbanken verlassen, welche mit Zinssenkungen reagieren und die Märkte mit Liquidität überfluten. Das Paradebeispiel dazu passierte im Zuge des Börsencrashs von 1987 mit dem damaligen Fed-Chef Alan Greenspan, und seither werden solche Notmassnahmen der Zentralbanken "Greenspan Put", "Bernanke Put" oder "Yellen Put" genannt. 

Es ist ein Teufelskreis

Dasselbe könnte auch bei einer stärkeren Abwärtsbewegung an den Börsen wieder passieren, ist Mayer überzeugt. "Dann wird die Angst auftauchen, dass ein Wirtschaftsabschwung die Tragfähigkeit der Schulden noch weiter verringert. Und dann erwarte ich den Powell-Put", sagt Mayer in Anspielung auf den neuen Fed-Chef Jerome Powell.

Womit wir auch bei Mayers eingangs erwähnter Kolumne wären, welche die gestiegene Verschuldung der Wirtschaft thematisiert. "Diese wird es uns verdammt schwer machen, die Zinsen auch nur annähernd auf ein Niveau zu bringen, das wir früher einmal als normal betrachtet hatten", ereifert sich Mayer im cash-Video

Er bezeichnet es als Teufelskreis, dass der Weg zurück zu einer normalen Geldpolitik und zu früheren Zinsniveaus quasi verbaut ist. "Hohe Verschuldung hemmt das Wachstum, und niedriges Wachstum macht die Entschuldung immer schwieriger. Insofern ist eine neue Krise vorgezeichnet." Als Lösungen sieht er radikale Schuldenschnitte, oder "die reale Schuldenlast  beseitigen, indem die Inflation steigt. Mir scheint, es ist das, was die Zentralbanken anstreben." Mayers Buch dazu heisst übrigens "Die neue Ordnung des Geldes - warum wir eine Geldreform brauchen" und erschien vor vier Jahren.

Im cash-Talk beurteilt Thomas Mayer eine europäische Geldpolitik mit einem möglichen EZB-Chef Jens Weidmann und die Wahrscheinlichkeit, ob Kryptowährungen einen Crash auslösen könnten.