Tiefere Produktionskosten retten durchzogenes Landwirtschaftsjahr

Bern (awp/sda) - Schlechtes Wetter hat den Bauern den Saisonauftakt vermiest. Dank tieferen Produktionskosten und höheren Fleischpreisen bleibt ihnen 2016 trotzdem mehr im Geldbeutel. Das Einkommen dürfte um gut 6% steigen.
04.10.2016 14:49

"Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr." Die Bauernregel verhiess zunächst nichts Gutes. Tatsächlich lief es 2016 für den Ackerbau ausgesprochen schlecht, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Die Getreideernte etwa fiel so schwach aus wie zuletzt in den 1970er Jahren.

Im Milchsektor geht der Preiszerfall wegen der weltweiten Überproduktion weiter. Trotz diesen negativen Vorzeichen wird das Einkommen der Landwirtschaft nach ersten Schätzungen 2016 um 6,2% auf 3,1 Mrd CHF zulegen. So viel verbleibt vom Gesamtertrag von 13,1 Mrd nach Abzug der Produktionskosten.

EIN FÜNFTEL VOM STAAT

Mit dem Einkommen des Landwirtschaftssektors werden hauptsächlich Arbeit und eingesetztes Kapital der Bauernfamilien entschädigt. Ein wichtiger Bestandteil davon sind Staatsbeiträge. Mit unverändert 2,9 Mrd CHF machen sie laut BFS 22% der Gesamtressourcen des Agrarsektors aus.

Auf total 10,2 Mrd CHF wird der Produktionswert veranschlagt. Das entspricht einem Plus von 90 Mio oder 0,9%. Der Wert der tierischen Produktion steigt gemäss der Schätzung zur landwirtschaftlichen Gesamtrechnung 2016 um 1,5%.

Die Verbesserungen auf dem Schweine- und Rindviehmarkt gleichen in diesem Sektor den Rückgang des Milchpreises aus. Im Pflanzenbau machen steigende Erträge bei Gemüse und Trauben den Einbruch im Ackerbau wett. Der Produktionswert bleibt dort insgesamt stabil.

Auf der Aufwandseite wirken sich gemäss BFS die tieferen Produktionskosten positiv auf das Gesamtergebnis aus. Sie nehmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,8% auf geschätzte 10,1 Mrd CHF ab, dies vor allem wegen der tieferen Erdölpreise und des starken CHFs.

STRUKTURWANDEL GEHT WEITER

Das BFS geht davon aus, dass die Zahl der Bauernbetriebe weiter abnehmen wird. Das landwirtschaftlichen Arbeitsvolumens wird deshalb voraussichtlich um 1,4% sinken. Damit steigt aber das durchschnittliche Entgelt pro Arbeitseinheit um 5,6%, nachdem es 2015 noch um 6,2% gesunken war.

mk

(AWP)