Tiktok - Was macht Microsoft in China?

Microsoft gilt als der wahrscheinlichste Käufer für die US-Aktivitäten des chinesischen Kurzvideodienstes Tiktok. Der Deal würde der China-Strategie des Windows-Anbieters entsprechen.
10.08.2020 20:14
Microsoft hat etwa 6000 Mitarbeiter in China beschäftigt.
Microsoft hat etwa 6000 Mitarbeiter in China beschäftigt.
Bild: Bloomberg

Microsoft hat in den vergangenen Jahren namhafte Zukäufe wie Linkedin, Github, Skype oder die Telefonsparte von Nokia gestemmt. Nun gilt der US-Konzern als der wahrscheinlichste Käufer für die US-Aktivitäten des chinesischen Kurzvideodienstes Tiktok, der ins Visier der US-Regierung geraten ist und den US-Präsident Donald Trump wegen Sicherheitsbedenken schließen möchte.

Sollte der Deal über die Bühne gehen, würde es der Strategie des Windows-Anbieters entsprechen, dessen China-Geschäft im Gegensatz zu dem anderer US-Technologieriesen wie Google oder Facebook beträchtlich ist. Pro Jahr setzt der weltgrößte Softwarekonzern in der Volksrepublik etwa zwei Milliarden Dollar um. Im Folgenden einige Erläuterungen zu Aktivitäten der US-Amerikaner in China.

WAS MACHT MICROSOFT IN CHINA?

Im gesamten Land hat Microsoft etwa 6000 Mitarbeiter beschäftigt und unterhält Büros in Shanghai, Peking und Suzhou.

Das Betriebssystem Windows kommt flächendeckend zum Einsatz, allerdings setzt dem Konzern die weit verbreitete Produktpiraterie zu. Im weltweit rasant wachsenden Cloud-Geschäft steckt Microsoft in China mit Azure noch in den Kinderschuhen. Wegen staatlicher Cybersicherheitsauflagen kann Microsoft seine Azure-Software und -Dienste nur in begrenztem Umfang verkaufen, während der lokale Partner 21Vianet die Rechenzentren betreibt. Im Gegensatz zu den chinesischen Anbietern Alibaba, Baidu, Tencent und Huawei spielt Microsoft eine untergeordnete Rolle. Auch die Präsenz des Karrierenetzwerkes LinkedIn und der Suchmaschine Bing fällt eher klein aus.

Im Westen weitgehend unbekannt ist die Forschungsabteilung Microsoft Research Asia, die in China als Schmiede für Experten aus dem Bereich Künstliche Intelligenz gilt. Sie bildete Manager aus, die später beim TikTok-Eigner Bytedance sowie bei den Technologieriesen Baidu, Xiaomi und bekannten Startups anheuerten.

UNTERWIRFT SICH MICROSOFT DER SELBSTZENSUR IN CHINA?

LinkedIn wie auch Bing zensieren Inhalte und Suchergebnisse, die die chinesische Regierung als sensibel einstuft. Vor dem Kauf durch Microsoft hatte der frühere LinkedIn-Chef Jeff Weiner gesagt, dies sei nötig, um in der Volksrepublik zu wachsen. Trotzdem wird beispielsweise die Software-Entwicklerplattform Github, die auch zu Microsoft gehört, genutzt, um Internetinhalte zu sichern, bevor die Behörden zugreifen.

HAT MICROSOFT SCHWIERIGKEITEN MIT DER REGIERUNG IN PEKING?

Für Schlagzeilen sorgten nur Probleme mit Produktpiraterie, die Microsoft seit Jahren kritisiert und gegen die der Konzern auch immer mal wieder vor Gericht zieht. 2014 haben Behörden vier Büros im Rahmen von Kartelluntersuchungen durchsucht.

WIE STEHT MICROSOFT-GRÜNDER BILL GATES ZU CHINA?

Öffentlich hat sich Gates in den vergangenen Jahren eher positiv über die Volksrepublik geäußert und sich beispielsweise vergangenes Jahr mit Peng Liyuan getroffen, der Ehefrau des Präsidenten Xi Jinping. Er kritisierte die Sanktionen gegen den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei und lobte jüngst den Umgang der Chinesen mit der Corona-Pandemie. Seine Stiftung Bill & Melinda Gates Foundation stellte dem Land in diesem Zusammenhang fünf Millionen Dollar zur Verfügung. Die Stiftung ist eine der wenigen ausländischen oder nicht-staatlichen Institutionen, die überhaupt auf dem chinesischen Festland aktiv sein dürfen. 

(Reuters)