Tillerson und Lawrow sprechen über Syrien

(Ausführliche Fassung) - Im Zeichen schwerer Spannungen wegen Syrien hat US-Aussenminister Rex Tillerson erstmals Gespräche mit der russischen Regierung in Moskau geführt. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow warnte gleich zu Beginn des Treffens mit Tillerson vor weiteren US-Militärschlägen in Syrien. "Wir halten es für einen wichtigen Grundsatz, solche Risiken und zukünftige Wiederholungen solcher Aktionen nicht zuzulassen", sagte Lawrow am Mittwoch. Moskau wolle erfahren, was die Strategie der USA im Syrien-Krieg sei.
12.04.2017 12:35

US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche eine syrische Militärbasis beschiessen lassen als Vergeltung für einen mutmasslichen Giftgasangriff der Regierungstruppen auf die eigene Bevölkerung. Tillerson sprach nach russischen Agenturberichten von "scharfen Meinungsverschiedenheiten" mit Moskau. Sein Besuch solle aber dazu dienen, die unterschiedlichen Ansichten besser zu verstehen und nach Wegen zu suchen, sie zu überbrücken, sagte er.

Der ehemalige Ölmanager mit langjährigen Kontakten nach Moskau ist das erste Mitglied von Trumps Führung, das Russland besucht. Erwartet wurde, dass er auch von Präsident Wladimir Putin empfangen wird. Ein solches Treffen sei möglich, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Putin kritisierte, dass sich die Nato-Mitgliedsländer bei dem US-Angriff in Syrien hinter Trump gestellt hätten. "Sie nicken wie chinesische Götzenbilder", sagte Putin in einem Interview des Fernsehsenders Mir.

Er hielt an der Moskauer Linie fest, dass es für eine syrische Schuld an dem Chemiewaffenangriff keine Beweise gebe. "Aber die Verletzung des Völkerrechts gibt es. Das ist Fakt", sagte er. Trotz des gespannten Verhältnisses zu Trump haben die Nato-Länder und die Siebenergruppe führender Industrienationen (G7) Verständnis für sein Vorgehen geäussert. Das ist auch die Haltung in Berlin.

Tillerson hatte vor dem Besuch angekündigt, er wolle Russland dazu bringen, die Unterstützung für den syrischen Staatschef Baschar al-Assad einzustellen. Diese Haltung sei kontraproduktiv, sagte die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa. "Es sollten längst alle verstanden haben, dass man nicht mit Ultimaten zu uns kommen kann", sagte sie dem TV-Sender Doschd. Demonstrativ hat Moskau für Freitag ein Aussenministertreffen mit seinen Verbündeten Syrien und Iran einberufen.

Russland wolle von Tillerson auch hören, wie die USA im Streit mit Nordkorea vorgehen wollten, sagte Vizeaussenminister Sergej Rjabkow. In dieser Frage hatte zuvor der chinesische Präsident Xi Jinping im Gespräch mit Trump eine friedliche Lösung angemahnt./fko/DP/jha

(AWP)