WEF-Ticker

Topmanager - Neue Wirtschaftskrise ist eine Frage der Zeit

Ungeachtet des derzeitigen Wirtschaftsbooms ist eine neue Finanzkrise nur eine Frage der Zeit. Das die am WEF in Davos geäusserte Meinung mehrerer Topmanager.
23.01.2018 15:22
Von der cash-Redaktion in Davos und Zürich
Das WEF-Logo an einer Glastür im verschneiten Davos.
Das WEF-Logo an einer Glastür im verschneiten Davos.
Bild: ZVG

"Wenn Leute zu selbstzufrieden sind, sollte man nervös werden", sagte David Rubenstein, Mitgründer des US-Finanzinvestors Carlyle, am Dienstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (das Panelgespräch können Sie hier nachschauen). Dort diskutierte er mit anderen Grössen aus der Finanzwelt über die Möglichkeit einer neuen schweren Krise zehn Jahre nach der letzten.

"Wir haben die nächste Finanzkrise niemals vermeiden können", sagte Jes Staley, Chef der britischen Grossbank Barclays. Das hätten ihn seine Jahrzehnte in der Branche gelehrt. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff verwies darauf, dass die Aktienkurse vor allem durch die niedrigen Zinsen auf Rekordstände getrieben worden seien. Das hatte etwa Anleihen weniger interessant für Anleger gemacht. "Wir wissen nicht, was passiert, wenn die Zinsen steigen."

 

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Die grösste Aufmerksamkeit am ersten WEF-Tag gilt der Eröffnungsrede des indischen Premierministers Narendra Modi (schauen Sie hier die Rede in voller Länge). Modi nimmt zum ersten Mal am Forum teil und sechs Minister sowie mehr als 100 Personen aus der indischen Wirtschaft begleiten ihn. Dementsprechend omnipräsent ist Indien auch ausserhalb des Kongresszentrums. Das geht soweit, dass indische Yogis ihre Übungen mitten auf  den Davoser Trottoirs praktizieren - kritisch beäugt von der Polizei.

 

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Wie immer am WEF bilden sich interessante Gesprächsgrüppchen mit Leuten, die nicht jeden Tag miteinander zu tun haben. So unterhielt sich Nationalbank-Präsident Thomas Jordan angeregt mit Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein. Eine Zentralbank-Verbindung hat auch Margarita Louis-Dreyfus, Lebenspartnerin von ex-SNB-Präsident Philipp Hildebrand, Patronin des Rohstoffgiganten Dreyfus Group und laut diversen Angaben unter den 200 reichsten Menschen der Welt. Dreyfus netzwerkte abgeschirmt von Bodyguards mit IWF-Chefin Christine Lagarde.

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Dass der CS-Chef Tidjane Thiam am WEF teilnimmt, ist keine Überraschung. Wohl aber, in welcher Deutlichkeit er sich hinter den neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron stellt. Er habe lange Zeit nicht an Frankreich geglaubt, nun setze er aber auf das Land, sagte Thiam am Dienstagmorgen an einer Podiumsveranstaltung in Davos. Der CS-CEO sagte zudem, Frankreichs und Europas Wirtschaft präsentierten sich erholungsfähig und würden schneller wachsen als der weltweite Durchschnitt.

 

In der Tat reitet Emmanuel Macron derzeit auf einer Erfolgswelle. Der 40-Jährige hat in seiner bisherigen Amtszeit einiges bewirkt und ist in der Bevölkerung sehr beliebt. Laut einer aktuellen Umfrage zeigen sich knapp 60 Prozent der Französinnen und Frankzosen zufrieden mit ihrem Präsidenten. Bei seiner Rede, die für den 24. Januar geplant ist, wird Macron auch die globlae Wirtschaftselite zuhören.

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Fast zwei Meter Schnee liegen in Davos. Doch nachdem am Montag um die Mittagszeit Tauwetter eingesetzt hat, wird der Schnee zur Plage bzw. zu "Pflotsch". Eine Plage ist wie jedes Jahr auch der Verkehr während des WEF. Es fehlt nich mehr viel bis zum 24-Stunden-Stau an Promenade und Talstrasse.

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In schwarzen Jeans, Hemd im Schottenmuster und mit Cowboy-Hut ist Kimbal Musk schon am Vortag der Eröffnung des WEF 2018 die auffälligste Figur im Davoser Kongresszentrum. Äusserst gut gelaunt und immer wieder schallend lachend gibt er zusammen mit Campbell-Soup-CEO Denise Morrison dem TV-Sender CNBC ein Interview.

Wie viele andere WEF-Teilnehmer aus den USA hat Kimbal Musk eine Mission: Er will in den USA eine Restaurantkette namens "The Kitchenette" aufziehen , welche gesundes und sehr preiswertes Essen verkauft. Geld zur Finanzierung ist da: 1995 gründeten die Brüder Elon und Kimbal mit Zip2 ihre erste Firma, die sie vier Jahre später für über 300 Millionen Dollar an Compaq verkauften. Wähtrend Elon zunächst Paypal und dann Tesla gründete, stieg Kimbal in die Gastronomie ein. Darben muss Kimbal Musk nicht. Er sitzt in der Geschäftsleitung von Tesla und in Elons Weltraumprprojekt SpaceX, daneben hält Kimbal Musk ein nahmhaftes Aktienpaket an Tesla

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Wie etliche Unternehmen oder Länder hat auch Russland einen der Dorfläden oder Cafés an der Davoser Promenade während des WEF vollständig gemietet und zum Event- und PR- Lokal umgebaut. Doch schlaue Russen: Wer soviel Geld für die Wochenmiete ausgibt, kann sich auf selbem Weg wieder refinanzieren: Wie der Davoser Website des "Russiahouse" entnommen werden kann, kann man dort Sitzungszimmer mieten: Für 1000 Franken pro Stunde. Und noch etwas: Keine zehn Meter auf der anderen Strassenseite befindet sich übrigens das Ukraine-Haus.

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Am ersten Tag des World Economic Forum halten sich die Höhepunkte noch etwas in Grenzen: Bundespräsident Alain Berset wird um 11 Uhr die Eröffnungsrede halten, gleich danach spricht Indiens Premier Narendra Modi. Um 17:30 Uhr tritt dann Kanadas Regierungschef Justin Trudeau an das Rednerpult im Kongresszentrum.