«Tower 185» - Frankfurter Wolkenkratzer mit Brexit-Bonus

In Frankfurt könnte einer der prominentesten Wolkenkratzer noch in diesem Jahr seine Besitzer wechseln. Gut möglich, dass sich der Brexit positiv auf den Verkaufspreis auswirken wird.
02.09.2017 17:55
Die Skyline von Frankfurt, der Tower 185 ist das zweite Hochhaus von links.
Die Skyline von Frankfurt, der Tower 185 ist das zweite Hochhaus von links.
Bild: pixabay.com

Für den 51 Stockwerke hohen "Tower 185" zwischen Bankenviertel und Messe, zu dessen Mietern unter anderem Janus Henderson Investors und PricewaterhouseCoopers zählen, ist der Verkaufsprozess gestartet worden.

"Mitte September rechnen wir mit den ersten Angeboten", sagt Frank Nickel, CEO von CA Immobilien Anlagen AG, in einem Interview mit Bloomberg. "Theoretisch ist es möglich, dass wir den Verkauf bis zum Jahresende abschliessen. Doch unter Zeitdruck stehen wir nicht".

Dem Wiener Unternehmen, das an der Börse rund 2,3 Milliarden Euro wert ist, gehört ein Drittel des Objekts, nachdem es vor vier Jahren die restlichen Anteile an institutionelle Investoren veräussert hatte. Der Verkehrswert wurde damals mit rund 500 Millionen Euro angegeben. Alle Joint-Venture-Partner stimmten dem Verkauf jetzt zu.

Sorgt der Brexit für höhere Preise?

Möglicherweise spielt das hohe Interesse an Frankfurter Immobilien auf Grund des Brexit den Besitzern bei der Transaktion in die Hände. "Ich bin gespannt, ob sich der Brexit auf den Verkaufspreis auswirken wird", sagt Nickel.

Das Gebäude könnte im aktuellen Marktumfeld durchaus für rund 750 Millionen bis 800 Millionen Euro die Besitzer wechseln, schätzt ein Frankfurter Makler für Gewerbeimmobilien, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er verweist unter anderem auf die gute Vermietung. Der Vermietungsstand des Hochhauses liegt laut Webseite bei rund 90 Prozent.

Sollte der "Tower 185" tatsächlich für diese Summe verkauft werden, wäre das eine Wertsteigerung von mindestens 50 Prozent in vier Jahren.

Zahlreiche Finanzdienstleister wollen Aktivitäten von London nach Frankfurt bringen, weil Grossbritannien vor einem Austritt aus der Europäischen Union steht. Das wahrscheinlichste Brexit-Szenario der Deutsche Bank beispielsweise sieht vor, dass rund 4000 Arbeitsplätze über mehrere Jahre hinweg aus Grossbritannien nach Kontinentaleuropa verlagert werden, hatte Bloomberg Anfang August unter Berufung auf unterrichtete Kreise berichtet.

"Grundsätzlich lassen die Diskussionen rund um den Brexit Investitionen in Frankfurt in einem nochmals besseren Licht erscheinen. Das Interesse ist grundsätzlich sehr gross", meint Fabian Klein, Managing Director und Chef für Investment Deutschland beim Immobiliendienstleister CBRE Group, gegenüber Bloomberg.

Neuer Turm entsteht

Ähhnlich sieht das auch Jürgen Schmid, der bei der Savills Immobilien Beratungs-GmbH das Frankfurter Immobilien-Investment-Geschäft leitet: "Der Brexit dürfte dem Immobilienmarkt und der Phantasie für das Mietwachstum in Frankfurt einen Schub verleihen".

Für CA Immo bedeutet der Verkauf des "Tower 185" aber keinesfalls einen Rückzug aus Frankfurt. Das Unternehmen hat gerade mit den vorbereitenden Arbeiten für einen Turm im Europaviertel mit dem Namen "One" begonnen - in unmittelbarer Nähe zum "Tower 185"

"Mitte September rollen die Bagger an, dann beginnen wir mit dem Bau", sagt Nickel. "Wir rechnen damit, dass wir das Gebäude Anfang 2021 fertigstellen werden." Die unteren 14 Etagen werden als Hotel mit Restaurant und Konferenzbereich genutzt, die oberen Etagen sind Büroflächen.

Angesichts eines Anteils von 46 Prozent am gesamten Immobilienvermögen mit Stand vom Juni ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Markt für CA Immobilien.

Mit einem Quadratmeter-Preis um die 30 Euro sollen die Mieten in dem neuen Hochhaus laut Nickel relativ niedrig ausfallen. Erreichen will er dies mit einer günstigeren Bauweise. "Wir graben uns beispielsweise für das Parkhaus nicht acht Etagen in die Tiefe, sondern errichten dieses neben dem Turm. Das spart dramatisch Geld", sagt er.

(Bloomberg)