Travail.Suisse: Managerlöhne sind stärker gestiegen als Durchschnittslöhne

Der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse zeigt sich alarmiert: Im Jahr 2016 gewährten sich die Manager satte Lohnerhöhungen, gleichzeitig hat bei den tiefen Einkommen Lohndruck, Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz zugenommen.
22.06.2017 10:40

Die Lohnschere öffne sich trotz der angenommenen Abzockerinitiative weiter, teilte Travail.Suisse am Donnerstag mit. Seit 2011 seien die Löhne in den Chefetagen um 17% gestiegen. Gleichzeitig verdienten die normalen Arbeitnehmenden lediglich 3,4% mehr, wie der Gewerkschaftsdachverband schreibt.

In der Mehrheit der untersuchten Unternehmen sei der Lohn für den CEO im Schnitt um 5% gestiegen. Die durchschnittliche Lohnschere lag gemäss Travail.Suisse 2011 noch bei 1:45. Bis 2016 habe sie sich auf über 1:51 geöffnet.

Die Entwicklung lasse sich quer durch alle Branchen feststellen. Als Beispiel für die Öffnung der Lohnschere nennt Travail.Suisse etwa den Detailhandelskonzern Valora mit seinem Chef Michael Müller. Dort habe sich die Schere während fünf Jahren von 1:23 auf 1:59 geöffnet.

Die Abzockerinitiative habe zwar zu Abstimmungen über Managerlöhne an Generalversammlungen geführt. Dabei werde aber mehrheitlich gemeinsam über die fixen und variablen Teile (Boni) abgestimmt. Zudem erfolgten die Abstimmungen oft im Voraus und ohne Kenntnis über den Geschäftsgang.

Fortschritte sieht der Verband beim Frauenanteil in den Verwaltungsräten. Dieser habe sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Allerdings sei noch immer weniger als jeder vierte Sitz mit einer Frau besetzt. Das Bild bei den Konzernleitungen präsentiere sich "geradezu dramatisch". Dort betrug der Frauenanteil laut Mitteilung Ende 2016 gerade einmal sechs%.

Travail.Suisse hat zum 13. Mal in Folge die höchsten und tiefsten Löhne in 27 Schweizer Unternehmen untersucht.

In eine ähnliche Richtung zeigt auch eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Unia. Die Gewerkschaft hat die Löhne von 40 Konzernen untersucht und eine Öffnung der Lohnschere auf 1:165 festgestellt (1:150 im Vorjahr).

ra/

(AWP)