Trotz Draghi-Äusserungen - EZB wird sich mit Prüfung von Negativzinsen Zeit lassen

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat keine Eile, seine Negativzinspolitik zu überarbeiten - trotz der Ankündigung von Mario Draghi, sich deren Nebenwirkungen genauer anzusehen.
14.04.2019 12:25
Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank.
Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank.
Bild: Bloomberg

Die Äusserung des EZB-Präsidenten, über die Auswirkungen der Negativzinsen auf die Banken nachzudenken, hat bei der Notenbank nur begrenzte Aktivitäten ausgelöst. Lediglich die öffentliche Debatte wurde durch die Draghi-Äusserungen angeheizt.

EZB-Ausschüsse, deren Arbeit häufig die Grundlage für formelle geldpolitische Vorschläge ist, haben die Angelegenheit in der Woche nach seiner Rede nicht diskutiert, verlautete aus unterrichteten Kreisen. Der EZB-Rat benötigt möglicherweise auch Zeit, um einen Konsens zu erarbeiten. Einige Notenbanker sind nach wie vor überzeugt, dass die Vorteile eines Einlagenzinses unter Null die Nachteile überwiegen, und sehen keine Notwendigkeit, die Politik neu zu gestalten, sagten die Personen, die um Anonymität baten.

Während die Auswirkungen von unter Null liegenden Zinsen seit langem Gegenstand von Debatten des EZB-Rats waren, kamen für einige geldpolitische Entscheider Draghis Äusserungen überraschend. Spekulationen, dass eine Massnahme unmittelbar bevorstehen könnte, haben den Kreisen zufolge einige Irritationen ausgelöst.

Zu den Bedenken zählt, dass eine Alternative, die gewisse Gelder von der Politik ausnimmt, eine Herausforderung für die Guidance der EZB wäre. Damit würde sie signalisieren, dass die Zinsen viel länger als derzeit angegeben niedrig bleiben oder sogar gesenkt werden könnten. Ein EZB-Sprecher lehnte es im Lauf der Woche ab, sich zu den Diskussionen der EZB über die Geldpolitik zu äussern.

(Bloomberg)