WEF 2016

«Trotz Frankenstärke Ziele erreicht»

Mit dem Ende des Mindestkurses sah sich die Schweizer Tourismusbranche vor einem Jahr wie vor dem Abgrund. Wie ein Grandhotel 2015 trotzem mit guten Zahlen abscheiden konnte, sagt «WEF-Hotelier» Thomas Kleber.
20.01.2016 01:05
Von Marc Forster, Davos
Thomas Kleber, Direktor des «WEF-Hotels» Steigenberger in Davos.
Bild: cash

Vor einem Jahr waren die Befürchtungen gross: Mit dem abrupten Ende des Mindestkurses, mit dem die Schweizerische Nationalbank das Wechselverhältnis Euro-Franken bei mindestens 1,20 festlegte, kam die ohnehin gebeutelte  Tourismusbranche der Schweiz noch mehr unter Druck. Thomas Kleber, der das berühmte "WEF-Hotel" Steigenberger Belvédère führt, berichtet nun aber überraschendes: "Wir haben die Ziele für 2015 erreicht, sogar etwas übertroffen", sagt er im cash-Video-Interview.

Kleber, der seit etwas über einem Jahr Länderchef für Steigenberger Schweiz ist, hat mit Verkaufs- und Markting-Massnahmen und Promotionen gegen den Trend gehalten. Ohne Preisnachlässe ging es aber auch im geschichtsträchtigen Belvédère nicht: "Wir haben eine Zeitlang einen Zimmerpreis zum alten Wechselkurs angeboten", berichtet Kleber. "Natürlich mussten wir die Preise in Teilen der Saison auch etwas herunternehmen - das ist zwar nicht schön, aber Angebot und Nachfrage bestimmen nun einmal den Preis."

Es gebe aber auch klar Grenzen, sagt Kleber: Als Fünfsterne-Grandhotel mit 141-jähriger Tradition verspiele man Glaubwürdigkeit, wenn man die Preise zu stark senke. Ein gewisses Niveau an Service erlaube dies nicht. Im Belvédère steigen während des WEF stets viele der berühmten WEF-Gäste ab, darunter Regierungschefs und Angehörige von Königsfamilien. Zahlreiche Unternehmen mieten im Hotel Räumlichkeiten an, wo sie Lounges für ihre Gäste und Geschäftspartner einrichten. Abends ist das Belvédère Schauplatz der grossen WEF-Parties. Allerdings hat das Hotel auch Konkurrenz durch das neue Intercontinental erhalten.

Alte und neue Märkte

Dass sich der Euro-Franken-Kurs nun etwas unter 1,10 befindet, ist für das Hotel bereits wieder ein Vorteil. Einen Gästerückgang bei Reisenden aus europäischen Ländern kann dies aber immer noch nicht verhindern, wie Kleber berichtet. Das Steigenberger richtet sich deswegen auf andere Märkte aus: So hat das Hotel wieder vermehrt in Grossbritannien geworben, einem Land, aus dem früher viele Gäste herkamen. Vor allem spielen aber auch Gäste aus Asien eine immer grössere Rolle.

Auf das WEF bereitet sich das Steigenberger Belvédère elf Monate lang vor. Für das Weltwirtschaftstreffen selbst muss das Hotel enorme Mengen Lebensmittel lagern: "Spannend ist vielleicht die Zahl von 22'000 Canapés, die bestellt worden, oder 25'000 Fingerfood-Items", berichtet der Direktor von den Auftragszetteln. 1000 Flaschen Champagner werden während eines WEF locker konsumiert, hunderte Flaschen Wein stehen ebenfalls bereit, wenn die rauschenden Parties der WEF-Prominenz steigen.

Im cash-Video-Interview sagt Thomas Kleber auch, weswegen Hoteldirektoren bezüglich ihrer berühmten Gäste so verschwiegen sind und keine Histörchen erzählen: Es geht mehr als nur um die berühmte Diskretion der grossen Hotellerie.