Trotz tiefem Ölpreis - Autofahrer hoffen vergebens auf günstigeres Benzin

Der Ölpreis ist seit Oktober massiv eingebrochen, doch Autofahrer spüren an Schweizer Tankstellen nur sehr wenig davon. cash sagt, warum auch in den nächsten Wochen nicht mit tieferen Benzinpreisen zu rechnen ist.
23.11.2018 16:48
Von Pascal Züger
Benzin kostete im Oktober in der Schweiz im Schnitt 1,69 Franken pro Liter.
Benzin kostete im Oktober in der Schweiz im Schnitt 1,69 Franken pro Liter.
Bild: Bloomberg

Es dürfte so manchen Autofahrer ärgern: War der Benzinpreis vor einem Jahr noch bei durchschnittlich 1,55 Franken pro Liter, so waren es gemäss offiziellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik im Oktober 2018 mit 1,69 Rappen pro Liter 14 Rappen mehr. Das ist so teuer wie seit vier Jahren nicht mehr. Wer seinen 40-Liter-Tank füllt, zahlt so ganze 5,60 Franken zusätzlich - verglichen mit dem Vorjahr.Entwicklung Benzinpreis Bleifrei 95 in der Schweiz seit November 2017, Quellen: BFS und Erdoel.ch

Immerhin zeichnet sich für November nun eine leichte Vergünstigung ab: "Wir haben festgestellt, dass der Benzin-Preis in den letzten Tagen um ein paar Rappen pro Liter gesunken ist", sagt David Suchet von der Erdölvereinigung zu cash. Grund dafür ist der seit Anfang Oktober um fast 30 Prozent gefallene Rohölpreis.

Doch bei einem so starken Ölpreiszerfall hätte man als Konsument durchaus eine stärkere Korrektur im Benzinpreis erwarten dürfen. Denn: Der Ölpreis ist nun ziemlich genau dort, wo er vor einem Jahr Stand - trotzdem ist Benzin deutlich teurer als damals. 

Wer als Grund für den hoch bleibenden Benzinpreis gierige Tankstellenbetreiber vermutet, die Autofahrer über den Tisch ziehen wollen und eine hohe Marge einheimsen, liegt falsch. Es ist der tiefe Pegelstand im Rhein, der die Preise treibt. "Der Transport von einer Tonne Benzin kostete am Donnerstag 209 Franken, das ist so teuer wie nie in den letzten Jahren", so Suchet. Im Normalfall liege der Preis bei ungefähr 20 Franken pro Tonne Benzin.

Der Rhein als Nadelöhr für Benzin

Der Löwenanteil aller Benzin- und Dieseltransporte gelangt via Basel über den Rhein in die Schweiz. Der trockene Sommer und Herbst sorgen nun aber für einen ausserwöhnlich tiefen Pegelstand. Dadurch können aktuell viel weniger Schiffe auf dem Fluss verkehren, die darüber hinaus auch noch nur gering beladen werden dürfen. Die Alternative zum Schifftransport ist die Beförderung auf Strasse und Schiene. So können jedoch nur relativ geringe Mengen befördert werden.

Die Lage ist derzeit so prekär, dass der Bund seit Oktober die sogenannten Pflichtlager hat öffnen lassen, wie SRF in einem Online-Artikel schreibt. Erdölimporteure haben in der Schweiz die Pflicht, Benzin, Diesel und Heizöl für den durchschnittlichen schweizerischen Bedarf von viereinhalb Monaten zu lagern, welche dann bei Versorgungsengpässen angezapft werden können. Bis Ende November sollen 13 Prozent des Diesels und 4 Prozent der Benzin-Reserve aufgebraucht sein.

Gleichzeitig dürfte sich am tiefen Rhein-Pegelstand so schnell nichts ändern: "Mit dem erwarteten Wetter und den erwarteten Temparaturen ist keine Normalisierung in Sicht", lautet die Prognose des Erdölexperten Suchet. Nur länger anhaltender Regenfall oder die Schneeschmelze im Frühjahr können wieder ordentlich Wasser in den Rhein treiben. Konkret bedeutet das: Die Transportkosten für Benzin und Diesel bleiben hoch.

Damit Tanken in den nächsten Wochen unter diesen Voraussetzungen nicht noch teurer wird, müsste es gemäss Suchet beim Rohölpreis weitere Abschläge geben. Was derzeit wenig wahrscheinlich ist: "Am Opec-Treffen vom 6. Dezember in Wien sind weitere Produktionskürzungen denkbar", glaubt Suchet. Und wenn die erdölexportierenden Länder ihr Angebot verknappen, treibt dies im Normalfall den Rohölpreis nach oben. Für preisbewusste Autofahrer sind das schlechte Nachrichten.