Trump gewinnt - Populist will Amerika einen (Zus)

(Zusammenfassung)
09.11.2016 10:29

WASHINGTON (awp international) - Der unberechenbare Quereinsteiger Donald Trump wird US-Präsident und wirbelt die politische Weltordnung durcheinander. Der umstrittene Republikaner gewann entgegen den meisten Umfragen die Präsidentschaftswahl. Der 70-jährige Unternehmer führt nun die grösste Wirtschafts- und Militärmacht der Welt.

Die Demokratin Hillary Clinton räumte ihre Niederlage in einem Telefonat mit Trump ein, wie CNN meldete. Öffentlich äusserte sie sich zunächst nicht. Trump versprach vor seinen Anhängern, er wolle das Land jetzt einen. Die USA gelten nach einem extrem ruppigen Wahlkampf als tief gespalten.

TRUMP: 'GROSSARTIGE BEZIEHUNGEN'

Die Sorge vor einem Sieg des Populisten war international gross gewesen, auch in Deutschland. In seiner Dankesrede bot Trump der Weltgemeinschaft am Mittwochmorgen (MEZ) eine faire Zusammenarbeit an. "Wir werden grossartige Beziehungen pflegen", sagte er. Amerika müsse aber zuerst kommen. Den Menschen anderer Länder wolle er die Partnerschaft der USA anbieten, nicht die Feindschaft.

Als einer der ersten Staatschefs gratulierte Russlands Präsident Wladimir Putin. Er hoffe, dass es gemeinsam gelinge, die russisch-amerikanischen Beziehungen aus der Krise zu holen.

RECHTSPOPULISTEN GRATULIEREN

Europäische Politiker erwarten schwierigere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Sie reichten aber tiefer als die Tagespolitik, betonte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini.

Rechtspopulisten wie die Französin Marine Le Pen und die deutsche AfD-Politikerin Beatrix von Storch gratulierten Trump, genau wie der rechtskonservative ungarische Ministerpräsident Viktor Orban.

INAUGURATION AM 20. JANUAR

Der New Yorker Milliardär Trump wird am 20. Januar als 45. Präsident ins Weisse Haus einziehen. Laut CNN (Stand 10 Uhr MEZ) kommt er auf mindestens 289 Wahlleute, Clinton auf 218. Nötig sind 270.

Beim Regieren kann er auf die Mehrheit seiner Republikaner im US-Kongress setzen und so möglicherweise entscheidende Vorhaben umsetzen. Die Konservativen verteidigten bei Wahl ihre Mehrheiten sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus.

FOKUS AUF INFRASTRUKTUR

Trump wiederholte eine Reihe seiner Wahlversprechen. Er werde dafür sorgen, dass sich das Wirtschaftswachstum der USA verdoppele, kündigte er an. Die Infrastruktur solle wieder aufgebaut werden. Dadurch würden Arbeitsplätze zurück ins Land geholt. Er habe einen "grossartigen" ökonomischen Plan für das Land, sagte er.

Die Wahlnacht war über Stunden eine extreme Zitterpartie. Der Republikaner konnte die umkämpften Staaten Florida, North Carolina, Ohio und Wisconsin für sich entscheiden. Clinton gewann von den sogenannten Swing States (Wechselwählerstaaten) lediglich Nevada, Virginia und Colorado. Die Niederlage dürfte das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten. Trump sagte nach der Entscheidung, für ihren Dienst an den USA schulde man Clinton sehr grossen Dank.

CLINTON VERLIERT IM ROSTGÜRTEL

Vor allem in mehreren Bundesstaaten im sogenannten Rostgürtel, einer einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung geprägten Industrieregion im Nordosten, konnte die Demokratin nicht überzeugen.

Trump hatte mit populistischen Parolen Wahlkampf gemacht. Er wetterte immer wieder gegen Einwanderung, internationale Handelsabkommen und Globalisierung und machte diese für den Verlust von Arbeitsplätzen verantwortlich. Seine Stimmungsmache verfing offensichtlich stärker, als es Meinungsforscher vorausgesehen hatten. Die Märkte reagierten auf Trumps Wahlsieg mit starken Kursschwankungen.

STARKE SCHWANKUNGEN AN FINANZMÄRKTEN

Trump ist ein politischer Quereinsteiger. Seine Qualifikation begründete er in der Vergangenheit auch mit seinen Leistungen als Unternehmer. Die aber sind keineswegs so glorreich, wie er immer wieder behauptet. Innerhalb von 18 Jahren meldeten vier Firmen aus seinem Kasino-Imperium Insolvenz an. Trump ist zum dritten Mal verheiratet und hat fünf Kinder.

Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten so unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer Skandale und ihrer Nähe zum bestehenden System. Beide Kandidaten hatten sich erbitterte Auseinandersetzungen geliefert. Der Wahlkampf gilt als einer der härtesten und schmutzigsten der amerikanischen Geschichte. Fakten und Inhalte spielten kaum eine Rolle.

WAHL IM DEZEMBER

Wahlberechtigt waren etwa 219 Millionen Menschen. Voraussetzung war, dass sich ein Wähler registrieren liess und nicht von der Wahl ausgeschlossen wurde - beispielsweise wegen einer kriminellen Vergangenheit. Die Wahlmänner wählen im Dezember stellvertretend für das amerikanische Volk den Präsidenten./hma/DP/stb

(AWP)