Trump nach aufgetauchtem Skandalvideo in Not

Washington (awp/sda/dpa) - Einen Monat vor der Wahl und kurz vor der nächsten TV-Debatte mit seiner Rivalin Hillary Clinton ist Donald Trump durch ein Skandalvideo unter massiven Druck geraten. Darin äussert er sich vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen.
08.10.2016 17:09

Das vor mehr als zehn Jahren aufgezeichnete Video schlug so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah.

Auch führende Politiker der republikanischen Partei distanzierten sich. Es wurden sogar vereinzelt Rufe nach seinem Rückzug von der Kandidatur laut.

Der mächtige Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, blies einen für Samstag geplanten gemeinsamen Auftritt mit dem Multimilliardär ab. US-Medien sprachen von einer "Bombenexplosion" im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erholen könne.

Entschuldigung und Gegenangriff

"Ich habe es gesagt. Es war falsch. Ich entschuldige mich", sagte Trump in einer aufgezeichneten Botschaft, die seine Wahlkampfzentrale in der Nacht zum Samstag öffentlich machte. Zugleich ging er jedoch zum Angriff über, brachte frühere Frauenaffären von Ex-Präsident Bill Clinton ins Spiel und warf Hillary Clinton vor, die "Opfer" ihres Mannes angegriffen, beleidigt und eingeschüchtert zu haben.

Das am Freitag von der "Washington Post" veröffentlichte Skandalvideo stammt aus dem Jahr 2005: Darin ist zu hören, wie der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in drastischen Worten seinen Versuch beschreibt, eine andere Frau zu verführen.

"Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert", sagt er. Er habe versucht, "sie zu ficken. Sie war verheiratet." Er habe sich hemmungslos ("like a bitch") an sie rangemacht, aber ohne Erfolg. Inzwischen habe die - nicht näher identifizierte - Frau "ihr Aussehen total verändert". Trumps Beschreibung: "Sie hat jetzt grosse künstliche Titten und alles."

Der Immobilienmogul fährt dann fort, dass er sich "automatisch" zu schönen Frauen hingezogen fühle. "Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen." Er könne sogar Frauen zwischen die Beine greifen (und sie liessen es geschehen).

Auszüge aus Privatgespräch

Die Aufzeichnungen sind Auszüge eines Privatgesprächs Trumps mit dem damaligen Moderator der Infotainment-Fernsehsendung "Access Hollywood", Billy Bush.

In einer ersten schriftlichen Reaktion kurz nach der Veröffentlichung sprach Trump am Freitag von Bemerkungen, wie sie Männer in Umkleideräumen machen würden. Bill Clinton habe bei gemeinsamen Ausflügen mit ihm auf dem Golfplatz weit schlimmere Worte fallen lassen. Er entschuldige sich aber, wenn er jemanden beleidigt haben sollte.

Hillary Clinton selbst nannte Trumps damalige Bemerkungen "schrecklich" und appellierte an die Wählerschaft: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird."

Ryan: "Mir wird übel"

Abgeordnetenhaus-Chef Ryan sagte, Trumps Äusserungen auf dem Video hätten bei ihm Übelkeit erzeugt. "Ich hoffe, dass Herr Trump die Situation mit dem Ernst behandelt, die sie erfordert, und dass er daran arbeitet, dem Land zu demonstrieren, dass er grösseren Respekt vor Frauen hat als es dieser (Video-)Clip zeigt."

Der republikanische Parteivorsitzende Reince Priebus erklärte: "Keine Frau sollte jemals mit solchen Begriffen beschrieben werden, niemand sollte auf diese Art und Weise über sie reden. Niemals."

Der texanische Senator Ted Cruz, der sich erst im vergangenen Monat hinter Trump gestellt hatte, nannte die Äusserungen des Kandidaten "beunruhigend und unangemessen, es gibt schlicht keine Entschuldigung dafür". Auch Floridas Senator Marco Rubio bewertete Trumps Bemerkungen als "vulgär und unmöglich zu rechtfertigen".

Clinton und Trump treffen am Sonntagabend (Ortszeit/0300 MESZ Montag) in St. Louis zu ihrer zweiten Fernsehdebatte zusammen. Die erste Debatte Ende September hatte die Demokratin nach unabhängigen Einschätzungen klar gewonnen. Danach legte sie in Umfragen zu und erhöhte damit den Druck auf Trump, im zweiten TV-Duell gut abzuschneiden. Danach gibt es nur noch eine letzte Fernsehdebatte, bevor am 8. November gewählt wird.

(AWP)