Trump wegen sexistischer Worte ernsthaft in Bedrängnis

Im US-Präsidentschaftswahlkampf ist der republikanische Kandidat Donald Trump wegen vulgärer und sexistischer Äußerungen über Frauen schwer in Bedrängnis geraten.
08.10.2016 12:21
US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump versucht sich zu entschuldigen.
US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump versucht sich zu entschuldigen.
Bild: Bloomberg

Mit einer eilig vorgelegten Entschuldigung versuchte er einen Tag vor dem zweiten TV-Duell mit seiner demokratischen Rivalen Hillary Clinton, den schlimmsten Schaden für seine Kampagne abzuwenden. Er bedauere die Bemerkungen aus dem Jahr 2005, erklärte Trump am Samstag. Die Veröffentlichung des elf Jahre alten Videos einen Monat vor der Wahl bezeichnete er als reines Ablenkungsmanöver.

Clinton nannte es erschreckend. Auch in der eigenen Partei stiess Trump auf massive Kritik. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, lud ihn von einem Wahlkampftermin aus. Auch Forderungen nach einem Rücktritt wurden laut.

In der Aufnahme spricht der Immobilienmilliardär mit vulgären Worten darüber, Frauen zu küssen, zu begrabschen und zu verführen und dabei auch seine Bekanntheit auszunutzen. "Wenn du ein Star bist, lassen sie es dich tun", sagte er in dem Video, das vor einem Auftritt Trumps in einer Fernsehsendung entstanden ist. Dabei sprach der damalige Reality-TV-Star, während ein Mikrofon eingeschaltet war. Trump beschrieb auch in derben Worten einen Versuch, eine verheiratete Frau zum Sex zu bewegen.

«Lockeres Gespräch unter Männern»

In einer Stellungnahme auf Facebook bestätigte er die Echtheit der Äusserungen. "Ich habe es gesagt. Es war falsch. Ich entschuldige mich", sagte Trump. Aber jeder, der ihn kenne, wisse, dass diese Worte nicht typisch für ihn seien. Zumal er sich inzwischen gewandelt habe. Zuvor hatte er in einer ersten Reaktion erklärt, dies sei wie ein "lockeres Gerede unter Männern in einer Umkleidekabine" gewesen.

Clinton twitterte, das Video sei erschreckend: "Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird." Zwar leistete sich Trump schon einige Fehltritte im Wahlkampf auch mit schroffer Wortwahl. Aber auch bei den Republikanern schlug dieses Video ein wie eine Bombe und erschütterte die konservative Partei bis ins Mark. Ryan, als Sprecher des Repräsentantenhauses ihr ranghöchster gewählter Politiker, sagte, ihm sei übel von den Bemerkungen. Trump werde einen geplanten Wahlkampftermin mit ihm am Samstag nicht wahrnehmen.

Jason Chaffetz, der Abgeordneter im Repräsentantenhaus und einer der härtesten Kritiker Clintons ist, entzog Trump ebenso seine Unterstützung, wie der republikanische Gouverneur des Bundesstaates Utah, Gary Herbert. Er könne seiner 15-jährigen Tochter nicht mehr in die Augen schauen, wenn er Trump wählen würde, sagte Chaffetz zum TV-Sender CNN. Der republikanische Abgeordnete Mike Coffman aus Colorado forderte Trump zum Rücktritt auf. Denn "an diesem Punkt scheint seine Niederlage fast sicher", sagte er CBS.

Trump spricht von Ablenkungsmanöver

Das Video ist umso brisanter, da vor der Wahl am 8. November Umfragen zufolge noch zahlreiche US-Bürger unentschlossen sind. Trump versuchte zugleich, in die Offensive zu gehen. Die Veröffentlichung des Videos am Freitag sei nichts anderes als eine Ablenkung von den drängenden Fragen des Landes. Jobs gingen verloren und die USA seien nicht mehr so sicher wie früher.

Zudem verwies er auf Seitensprünge von Ex-Präsident Bill Clinton. Dessen Frau Hillary Clinton werde in den nächsten Tagen mehr über ihre Vergangenheit reden müssen. Er hatte wiederholt angedeutet, dieses Thema bei einem TV-Duell mit seiner Widersacherin zur Sprache zu bringen. Die beiden Präsidentschaftskandidaten kommen am Sonntagabend (US-Zeit, Nacht zum Montag MESZ) zu ihrem zweiten und zugleich vorletzten TV-Duell zusammen. Schon in der ersten Debatte hatte Clinton ihrem Rivalen sexistische Äusserungen vorgeworfen.

In der jüngsten Reuters/Ipsos-Umfrage führt Clinton mit fünf Prozentpunkten vor Trump. Damit ist der Abstand zwischen der ehemaligen Aussenministerin und dem Geschäftsmann in den wöchentlichen Erhebungen seit Anfang September faktisch gleich geblieben. Der am Freitag veröffentlichten Umfrage zufolge würden gegenwärtig 43 Prozent der wahrscheinlichen Wähler für Clinton und 38 Prozent für Trump stimmen.

(Reuters)