TTIP für kleine und mittlere Schweizer Exporteure eine Gefahr

Zürich (awp/sda) - Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA hätte Nachteile für kleine und mittlere Schweizer Exportfirmen. Sie müssten wohl mit intensiverer Konkurrenz aus der EU rechnen.
27.10.2016 08:55

Zu diesem Schluss kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Exportförderungsorganisation Switzerland Global Enterprise. KMU sind mehrheitlich aktiv in Branchen, die heute noch Zölle zahlen. Diese könnten für ihre europäischen Wettbewerber im Rahmen des Freihandelsabkommen TTIP künftig wegfallen.

Das Zustandekommen des Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) ist wenige Tage vor den US-Präsidentschaftswahlen aber weiter ungewiss. Die Verhandlungen zwischen der EU und USA stecken fest.

STRATEGIE ÜBERPRÜFEN

"Wir raten KMU dazu, die eigene Marktstrategie und Konkurrenzsituation zu überprüfen und allenfalls anzupassen, sobald ein Abkommen steht und bekannt ist, wie die Schweiz sich dazu verhalten wird", kommentiert S-GE-Chef Daniel Küng die Studie.

Die Hersteller von Maschinen, Fahrzeugen, Instrumenten und Industrie-Textilien zum Beispiel müssten sich intensiver messen mit ihren deutschen Konkurrenten. Die Chemiebranche stünde im verschärften Wettbewerb mit Firmen insbesondere aus Irland und Deutschland. Schokoladen- und Zuckerwaren-Produzenten müssten verstärkt etwa nach Belgien, Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande schauen.

Trete parallel zusätzlich das bereits unterzeichnete Transpazifische Handelsabkommen (TPP) in Kraft, hätten auch Konkurrenten der Schweiz aus Fernost einen privilegierten Marktzugang zu den USA, warnt Switzerland Global Enterprise.

220 MIO USD FÜR ZÖLLE

Auf mindestens 25% der Schweizer Exporte in die USA werden heute noch Zölle erhoben. Müssten Schweizer Unternehmen diese Zölle nicht mehr entrichten, falls etwa ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA geschlossen würde oder falls die Schweiz TTIP beitreten würde, schätzt die Studie das Einsparpotenzial auf rund 220 Mio USD jährlich.

Begrenzte Auswirkungen dürfte der Abschluss einer TTIP auf 63% der Schweizer Exporte in die USA nach sich ziehen, denn auf diese erheben die USA bereits heute keine Zölle.

Aufgrund eines Abkommens der Welthandelsorganisation WTO betrifft dies insbesondere Pharmaprodukte, 37 Prozent der Schweizer Exporte in die USA. Andere Schweizer Chemieprodukte sind hingegen noch immer zollpflichtig.

HERKUNFT ENTSCHEIDEND

Falls die Ursprungsregeln im TTIP streng ausfallen würden, könnten sich Schweizer Zulieferer ein weiterer Nachteil erwachsen. Dann würden europäische Abnehmer wohl vermehrt EU-Lieferanten vorziehen.

So wäre es für sie einfacher, einen EU-Ursprung geltend zu machen und damit von Zollbefreiungen im Rahmen des TTIP-Abkommens zu profitieren, als wenn sie Schweizer Teile verbauen.

(AWP)