Türkische Notenbank hört nicht auf Erdogan - Leitzins deutlich erhöht

(Meldung weiter ausgebaut) - Die türkische Notenbank hat im Kampf gegen die Lira-Krise und die hohe Inflation in der Türkei ihren Leitzins überraschend stark angehoben - und sich damit einem abermaligen Plädoyer von Staatschef Recep Tayyip Erdogan für niedrigere Zinsen widersetzt. "Die jüngste Entwicklung beim Inflationsausblick verweist auf erhebliche Risiken für die Preisstabilität", teilte die Zentralbank am Donnerstag in Ankara mit. Der Zins für einwöchiges Notenbankgeld werde von 17,75 auf 24,00 Prozent erhöht. Experten hatten zwar mit einer deutlichen Anhebung gerechnet. Die Erwartungen der meisten Analysten wurden aber nun noch übertroffen.
13.09.2018 13:57

Preisanstiege seien quer über verschiedene Wirtschaftszweige hinweg zu beobachten und seien auf die jüngste Wechselkursentwicklung zurückzuführen, hiess es von den Währungshütern. Zuletzt hatte sich die türkische Lira zwar wieder etwas stabilisieren können, allerdings hat sie seit Beginn des Jahres etwa 40 Prozent an Wert verloren. Mit der Talfahrt haben sich Importe massiv verteuert, was in der Türkei die Preise auf viele Produkte steigen lässt. Die türkische Lira legte nach der Zinsentscheidung zu und gewann im Verhältnis zum US-Dollar deutlich an Wert.

Man werde den strafferen geldpolitischen Kurs durchziehen, bis es Verbesserungen bei der Inflation gebe, hiess es weiter von den Notenbankern. Falls nötig würden zudem weitere Straffungen folgen. Die Teuerungsrate in der Türkei war zuletzt bis auf knapp 18 Prozent gestiegen. Die hohe Inflation gilt neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit und dem politischen Streit mit den USA als ein Hauptauslöser für die Lirakrise.

Nur wenige Stunden zuvor hatte Erdogan bei einem Treffen mit Vertretern von Handel und Handwerk in der türkischen Hauptstadt Ankara zum wiederholten Male eine Zinssenkung gefordert und dadurch den Kurs der Lira unter Druck gebracht. Er betonte aber auch, dass die Notenbank unabhängig sei und ihre eigenen Entscheidungen treffen werde. Bereits Anfang des Monats hatten die Notenbanker beteuert, man werde die notwendigen Massnahmen ergreifen, um die Preisstabilität zu gewährleisten und bei der kommenden Sitzung den geldpolitischen Kurs anpassen.

Der Staatspräsident bekräftigte dagegen seine Annahme, hohe Zinsen seien die Ursache für die hohe Inflation. Damit steht er im Widerspruch zur herrschenden ökonomischen Lehre, die Zinserhöhungen als notwendiges Mittel zur Inflationsbekämpfung und damit auch zur Stärkung der angeschlagenen Lira sieht. Erdogan hat dagegen eigene Ideen zur Bekämpfung der Lira-Krise. So sollen laut einem am Donnerstag veröffentlichten Dekret Geschäftsverträge nur noch in türkischer Lira und nicht mehr in anderen Währungen wie Euro oder US-Dollar abgeschlossen werden./tos/jkr/zb

(AWP)