Türkische Regierung will sich stärker um Wirtschaft kümmern

Die türkische Regierung will sich nach dem Verfassungsreferendum stärker um die Wirtschaft kümmern. Sowohl die Inflation als auch die Arbeitslosigkeit sollen gesenkt werden, sagte Finanzminister Naci Agbal am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Wachstum solle dabei nicht vom Staatssektor ausgehen, sondern von der Privatwirtschaft.
18.04.2017 11:04

Die Regierung werde zudem keine Steuermassnahmen beschliessen, die die Inflation weiter nach oben treiben könnten. Die Teuerungsrate liegt derzeit mit über elf Prozent auf dem höchsten Stand seit 2008.

Ursache für den Preisanstieg ist die chronische Schwäche der Lira. Anleger haben aus Sorge über den politischen Kurs das Vertrauen in die Währung verloren, die binnen eines Jahres um rund 30 Prozent zum Dollar abgewertet hat. Das verteuert die Importe des rohstoffarmen Landes.

Bei der Abstimmung am Sonntag hatten laut Wahlbehörde 51,4 Prozent der Türken für eine Verfassungsänderung gestimmt, die Präsident Recep Tayyip Erdogan mehr Macht gibt. Damit könnte Erdogan künftig per Dekret regieren, den Ausnahmezustand beschliessen, das Parlament auflösen und Minister entlassen.

Erdogans islamisch-konservative Partei AKP hat argumentiert, die Änderungen seien nötig, um in unruhigen Zeiten eine starke Führung zu garantieren. Kritiker sehen hingegen Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte in Gefahr.

(AWP)