UBS sieht aktuell keinen Anpassungsbedarf bei BIP-Prognosen

Zürich (awp/sda) - Auch nach dem Austrittsentscheid der Briten aus der EU (Brexit) sieht die Grossbank UBS derzeit keinen Anpassungsbedarf bei ihren Prognosen für die Schweizer Wirtschaft. "Aktuell gelten die BIP-Prognosen noch", sagte UBS-Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt.
24.06.2016 11:55

Die UBS sei mit ihren Prognosen derzeit ein bisschen unter dem Konsens der Ökonomengilde. "Insofern sehen wir keinen unmittelbaren Anpassungsbedarf", sagte Kalt am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Für das laufende Jahr rechnet die grösste Schweizer Bank mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 1,0% und für das nächste Jahr mit 1,5%.

Die UBS müsse aber in den nächsten Tagen die Reaktionen der Politik und der Finanzmärkte verfolgen. "Wenn es noch stärkere Ausschläge gibt, kann ich mir schon vorstellen, dass wir die BIP-Prognosen nach unten revidieren müssen", sagte Kalt.

VOR ALLEM VERLIERER

Von einer Aufwertung des Schweizer Frankens durch den Brexit seien vor allem die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) betroffen. Auch der Tourismus und der hiesige Detailhandel würden unter einer Verstärkung der hiesigen Währung leiden. Es gebe aber auch Branchen, die weniger betroffen seien wie beispielsweise die Pharmaindustrie, die trotz Frankenstärke im letzten Jahr weiter gewachsen sei.

Im Moment gebe es durch das Brexit-Votum vor allem Verlierer, sagte Kalt. Die wenigen, die profitieren, seien beispielsweise wegen der tiefen Zinsen Hypothekarnehmer oder Konsumenten, deren Kaufkraft durch einen starken Franken steige. Die gestiegene Kaufkraft der Konsumenten dürfte aber vor allem zu Einkäufen im Ausland führen, sagte Kalt.

Ob es nur bei Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Devisenmarkt bleibe, sei unklar. Wenn es irgendwie gehe, dürfte die SNB eine Verstärkung der Negativzinsen vermeiden wollen, sagte Kalt. Dies hänge aber von den Volumen ab, mit denen die SNB am Devisenmarkt intervenieren müsse.

Wenn diese wieder das Ausmass von Dezember 2014 und Januar 2015 annehmen würden, als die SNB mit rund 20 Mrd CHF pro Woche habe eingreifen müssen, könnte sich die Notenbank gezwungen sehen, die negativen Zinsen zu verstärken, sagte Kalt: "Das ist nicht auszuschliessen."

(AWP)