UBS und Goldman Sachs im Sog des Skandalfonds 1MDB

Der Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB erfasst nun auch westliche Grossbanken wie UBS, die britische Standard Chartered und Goldman Sachs.
21.07.2016 14:45

Die Finanzaufsichtsbehörde Singapurs (MAS) stellte bei den beiden europäischen Instituten und der asiatischen DBS Kontrollmängel fest, wie sie am Donnerstag mitteilte. Auch die US-Behörden haben Ermittlungen aufgenommen und wollen aus dem Fonds Vermögen über eine Milliarde Dollar beschlagnahmen - darunter Luxusimmobilien, Gemälde und ein Flugzeug. Im Zuge dessen geriet auch Goldman Sachs in den Strudel des Skandals: Die Investmentbank hat den Fonds bei Anleiheverkäufen unterstützt, deren Erlöse von 1MDB-Vertretern missbraucht worden waren, wie aus Unterlagen des US-Justizministeriums hervorgeht. Goldman selbst wird kein Fehlverhalten vorgeworfen.

Bei UBS, Standard Chartered und DBS monierten die Aufseher in Singapur Versäumnisse bei der Überwachung von Transaktionen und der Aufnahme neuer Kunden. "Darüber hinaus ist es zu unzulässigen Verzögerungen bei der Aufdeckung und Anzeige von verdächtigen Transaktionen gekommen", hiess es in einer Mitteilung der MAS. Die UBS erklärte, sie habe verdächtige Transaktionen von sich aus gemeldet und sei in engem Kontakt mit Regulatoren.

Ermittlungen setzen malaysischen Premier unter Druck

Die Ermittlungen um den Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) beschäftigen Behörden rund um den Globus bereits seit Monaten. Bei dem Fonds waren Milliardenbeträge verschwunden oder auf ausländische Bankkonten mit unbekannten Eigentümern abgeflossen. Gegen 1MDB laufen daher in mindestens sechs Ländern Geldwäsche-Untersuchungen. Die Affäre ist auch politisch hoch brisant: Der Fonds wurde 2009 vom malaysischen Ministerpräsident Najib Razak gegründet, der bis vor kurzem noch Aufsichtsratschef von 1MDB war. Razak gerät nun auch innenpolitisch unter Druck: Ein Oppositionsführer forderte am Donnerstag seinen Rücktritt. Der frühere Premier Mahathir Mohamad schlug hingegen eine Volksabstimmung darüber vor. Razak und 1MDB haben ein Fehlverhalten stets bestritten.

Die Unterlagen der US-Justiz enthalten noch ein weiteres brisantes Detail: Aus den Mitteln des Fonds soll der Hollywood-Streifen "Wolf of Wall Street" mit Leonardo DiCaprio finanziert worden sein.

Weitere Schweizer Bank im Visier

Neben der UBS nehmen die Behörden in Singapur noch eine weitere Schweizer Bank unter die Lupe: Eine Vorort-Inspektion bei der Privatbank Falcon im April habe "substantielle Verstösse" gegen Geldwäsche-Bestimmungen zutage gefördert, erklärte MAS. Ein Sprecher der Bank betonte, Falcon kooperiere mit den Behörden. Das Institut gehört dem Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi.

Zu den Strafen, die den Banken drohen könnten, äusserten sich die Aufseher in Singapur nicht. Nach dortigem Recht könnten Geld- oder sonstige Strafen fällig werden, auf betroffene Mitarbeiter könnte eine Anklage zukommen.

Welche Massnahmen die Aufseher im Extremfall ergreifen können, zeigt der Fall der Schweizer Privatbank BSI: Für sie hatte die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma im Mai nach zweifelhaften Transaktionen mit 1MDB die Schliessung angeordnet. Das Institut hat gegen den Entscheid Berufung eingelegt.

Zu weiteren Ermittlungen hielt sich die Finma bedeckt. Sie hatte insgesamt fünf Verfahren eröffnet, um die Rolle von Schweizer Finanzinstituten in dem Skandal zu prüfen - vier davon laufen noch. Namen gab die Finma nicht bekannt.

(Reuters)